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Heft 2/2004
Im Harem
Die erotische Geschichte
Folge 2:
Was ist passiert? Im Harem kümmern sich Xaver (das Nesthäkchen), Sören (der große Wikinger mit dem blonden Zopf), Paolo (der glatzköpfige Dunkle), Junichiro (der sanfte Japaner) und Partypaddy (mit dem Piercing) um die Hausdame und ihre Freundin Mathilda.
Doch dunkle Wolken ziehen auf – der Vermieter will, dass alle ausziehen. Das verrät ihnen seine frustrierte Frau Lena. Ein Plan wird entworfen, der am Ende alle glücklich macht …
Ich klingle. Lena ist verlegen. Ich nehme an, es tut ihr schon wieder Leid, dass sie Paolo alles erzählt hat. Aber so ist das mit ihm, er weckt den Mädcheninstinkt in uns Frauen. Wir kommen prima alleine klar, bis wir Paolo begegnen, dann wollen wir beschützt werden. Ich erzähle ihr von meinen Jungs, wie ich sie kennen gelernt habe und was ihre Aufgaben im Harem sind. Sie hat nicht gewusst, dass wir teilweise schon seit Jahren zusammen sind, sie hat gedacht, wir treiben es alle wild durcheinander, den ganzen Tag, rund um die Uhr.
„Aber Ihre Bücher“, sagt sie, und ich muss lächeln, denn natürlich weiß ich, dass alle im Haus sie gelesen haben, auch wenn mich noch nie jemand darauf angesprochen hat. Ich gebe zu: „Manchmal, wenn ich über einer Geschichte brüte, rufe ich: ‚Jungs, zieht euch alle Strapse an, mir fällt nichts ein.‘“ Lena lacht. Sie sieht plötzlich ganz jung aus. Dann erzähle ich ihr von unserem Plan. Erst zögert sie ein bisschen, aber ich habe Fotos von den Jungs mitgebracht, und dann seufzt sie und sagt ja.
Nachmittags passe ich das Monchichi draußen im Hof ab. Sein Gesicht ist misstrauisch. Ich habe mich umgezogen und öffne den Gürtel meines Trenchcoats. Darunter bin ich nackt bis auf eine lange Perlenkette, die genau über meinem Pelz endet, und ein Paar Stiefel. Der Vermieter schluckt. Ich stelle den Fuß auf einen Stein, damit er das Allerheiligste genau sehen kann, und hauche, dass ich bereit bin, alles für diese Wohnung zu tun, und dass er doch mit zu uns kommen soll und wir es ihm richtig nett machen, und seine Frau würde nie etwas erfahren.
„Sie wissen doch, ich bin eine Sexgöttin“, raune ich und versuche, verwegen auszusehen. Auch eine Spur verzweifeltes Häschen, das den großen Bären um Gnade bittet, ist mit in dem Blick, und ich muss mir Mühe geben, nicht zu lachen, weil ich immer, wenn ich die groteske Behaarung des Vermieters sehe, an den Witz denken muss, in dem der Gorilla im Dschungel auf dem Klo sitzt und ein vorbeihoppelndes Häschen fragt, ob es fusselt. Aber es klappt.
Abends klopft es an unserer Tür, und ich kontrolliere schnell noch einmal den Raum, ob alles richtig vorbereitet ist. Ich muss mal sagen, meine Jungs sind großartig. Ich habe den besten Harem der Welt. Junichiro hat sich als Geisha hergerichtet und sieht mit dem weißen Make-up und dem bestickten Kimono wunderbar aus. Partypaddy werkelt in der Küche, Paolo hat sich extra noch einmal am ganzen Körper enthaart und eingeölt und lehnt mit bloßem Oberkörper, nackten Füßen und enger Lederhose an der Tür zum Boudoir. Xaver ist ganz aufgeregt und hat sich für pokurze Jeans und ein weißes T-Shirt entschieden. Und Sören ist die Ruhe selbst, sein blonder Zopf liegt ordentlich geflochten auf seinem schwarzen Intellektuellen-Rollkragenpulli, der einen wunderbaren Kontrast zu seiner riesigen Wikingererscheinung bietet. Ich kann meinen Blick kaum von ihnen losreißen, so schön finde ich sie.
Draußen steht Lena und tritt schüchtern von einem Fuß auf den anderen. „Ich hab ihm gesagt, ich geh zu Bauch-Beine-Po“, sagt sie, sieht sich um und bricht in wildes Gekicher aus, „und irgendwie stimmt das ja auch.“ Meine Jungs lachen und strahlen sie an. Lena sieht sich bewundernd um. „Mein Gott, diese schönen Möbel, die Bilder“, sie schluckt, „und die vielen Bücher.“ „Na ja“, sage ich, „dumm fickt gut, das ist eben nicht wahr.“ Sie kichert wieder verlegen. Partypaddy bringt ihr einen Prosecco und bewundert ihr Haar. Sie wiederum bewundert Junis Kimono, und Juni bietet ihr mit seinem geheimnisvollen Geishagesicht an, das edle Stück anzuprobieren. Und Lena folgt ihm ins Boudoir. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und sehe Paolo an. Ich hatte nicht gedacht, dass Juni der Erste sein würde, aber gut. Es klopft wieder. Das ist zu früh. Das Monchichi scheint jemand zu sein, der immer zu früh kommt, nicht nur im Bett. Aber Juni hat es auch gehört. Er erscheint wieder, und Paolo kümmert sich um Lena. Die anderen Jungs verschwinden nach nebenan. Nur Juni bleibt.
Der Vermieter ist irritiert, als er ihn sieht. „Meine Zofe“, sage ich erklärend, „zum Bedienen“, und ich sehe dem Vermieter an, dass er schon fast vergessen hat, dass er Juni eigentlich als Mann kennt. Ich stehe in hohen schwarzen Lackstiefeln vor ihm. Über meinen Augen liegt eine geschwungene Zorromaske, die war Partypaddys Idee. Mein Latexmini knirscht. An den Brustwarzen und über dem Schritt hat Paolo Löcher in den Stoff geschnitten. Juni serviert zwei Prosecco und dreht sich gegen das Fenster. Wenn er eine Geisha ist, kann er regungslos sein wie eine Blume. Ich ziehe den Vermieter splitternackt aus, er wehrt sich gar nicht, das wundert mich. Dann dränge ich ihn auf einen Sessel. Juni und ich haben überlegt, ob ich strippen soll, aber ich bin keine gute Tänzerin, meine Talente liegen in der Hingabe. Also stelle ich mich neben den Vermieter und lege ein Knie auf die Lehne. Das Monchichi schwitzt, und manchmal sieht man das Weiße in seinen Augen, als würde er gleich kollabieren. „Also“, sage ich und beuge mich leicht zu ihm runter, „jetzt leg mir deine Hand zwischen die Beine, dann ist das Eis gebrochen, und du kannst dich entspannen, ja genau so, und weißt du was, steck mir einen Finger hinein, dann lässt es sich viel relaxter plaudern, ja gut, du kannst ruhig tief hineinrutschen, denn du wirst es mir ja sowieso besorgen heute Abend, also warum solche Umstände.“
Der Vermieter zittert zwar etwas, aber sein Finger gleitet gehorsam zwischen meine rasierten Lippen. Sie sind feucht und glitschig, denn natürlich habe ich mich, während Paolo mein Kleid präparierte, noch ein bisschen von Xaver lecken lassen. „So, und jetzt mach’s mir mit dem Finger“, ich beuge mich noch weiter vor und lege meine Hand auf seine Hose. Darunter ist es hart, Göttin sei Dank, den guten Vermieter soll bloß nichts frustrieren heute. „Weißt du eigentlich, wie viele Männer das jetzt gern tun würden?“, flüstere ich ihm ins Ohr. „Weißt du, wie viele Männer sich jeden Monat um einen Platz in meinem Harem bewerben? Manchmal lasse ich einen oder zwei zur Probe ran, aber meistens sind sie nicht gut genug. Und jetzt du“, ich zögere, zu dick darf es jetzt nicht werden, glauben muss er mir noch, „du bist so ganz anders als diese verweichlichten Jungs.“
Ich seufze, um nicht zu kichern. Ich nehme meine Maske ab, verschließe mit einem unauffälligen Handgriff die Augenlöcher und lege sie dem Vermieter um. Er will protestieren, aber ich beruhige ihn: „Du willst doch die totale Ekstase“, flüstere ich, „und du kriegst sie, blind wird’s für dich noch mal so gut.“ Der Vermieter schluckt, und ich habe ein bisschen Mitleid, denn ich kann mir gut vorstellen, wie entsetzlich es für einen Mann sein muss, wenn die eigene Frau ihm eröffnet, dass er es einfach nicht bringt. Das Vermietergemächt steht jetzt hart und geschwollen aus seinem schwarzen Haarnest heraus. Die Tür zum Boudoir öffnet sich ohne ein Geräusch.
Paolo trägt Lena heraus, die nackt und selig in seinen Armen liegt. Er setzt sie ab, und ich sehe, dass er sie zwischen den Beinen rasiert hat. Ich unterdrücke ein Stöhnen, machmal denkt er einfach nicht mit. Ich öffne mein Latexkleid und kündige dem Vermieter an, dass es jetzt losgeht mit der ersten Lektion. Ich müsste nicht nackt sein, aber ich weiß, dass meine Jungs mich gern so sehen, und dieses Latexkleid ist sowieso eine Zumutung. Ich winke Lena heran und lasse sie mit gespreizten Beinen über ihrem Mann stehen. Ich bin direkt hinter ihr, fasse ihr von hinten an die Brüste und spiele mit ihren Knospen. „Jetzt fass mich wieder an, so wie eben“, weise ich den Vermieter an, und er tastet sich vor zu der haarlosen Muschel seiner Frau und befingert sie. Ich stöhne etwas. Lena schließt die Augen. „Jetzt such den Kitzler, nein, nicht reiben, eher so, als wolltest du jemanden locken, nur mit der Fingerkuppe, dem Daumen am besten. Und sag mir, was ich jetzt tun soll. Das ist eine einmalige Chance. Du kannst einer Pornoqueen befehlen, was sie zu tun hat.“
Der Vermieter räuspert sich und sagt dann: „Saug ihn.“ Das ist gut, dabei kann ich nicht reden. Lena kniet sich vor ihn hin. Mittlerweile sind die anderen Jungs aus ihrem Zimmer gekommen und verhalten sich mucksmäuschenstill. Sören deutet, als Lenas Blick ihn trifft, mit einer Geste an, sie solle den Schaft umfassen, und Partypaddy zeigt ihr die Zähne, und Lena beginnt die Eichel ganz sanft zu beknabbern. Reihum deuten die Jungs an, wie sie es mögen, nur unser Nesthäkchen Xaver nicht, für den Blasen nur Blasen ist und immer großartig.
Schließlich steht Lena auf und zieht ihren Mann mit sich auf den Teppich. Wir haben Glück, dass Lena und ich ungefähr die gleiche Figur haben, aber vorsichtshalber rede ich jetzt ständig, damit er gar nicht auf die Idee kommt, es könnte eine andere Frau im Raum sein. „Spiel jetzt mit deinem Schwanz an meiner Muschi“, sage ich, „noch nicht reinstoßen, erst mal antippen und dann in einem langen Stoß ganz langsam reinschieben.“
Das Ehepaar wälzt sich auf dem Teppich, und ich liege daneben, der Akustik wegen. „Jetzt anhalten“, befehle ich, als der Vermieter schneller wird, „leicht zur Seite drehen, ich winkle jetzt mein Bein an, dass es über deiner Schulter liegt und dann kommst du mit dem Finger an meine Clitti und kannst mich fertig machen.“
Ich stöhne im Rhythmus seiner Hand. Und als ich sehe, dass es Lena gekommen ist, darf der Vermieter sich auch über den Berg tragen. Er rollt zur Seite. Lena krabbelt schnell auf und huscht geräuschlos über unsere dicken Teppiche ins Boudoir, und wie ich erwartet hatte, nimmt sie die Jungs mit. Ich lege mich neben den Vermieter und stöhne und japse noch ein bisschen. Wahrscheinlich lässt sich Lena, jetzt wo sie auf den Geschmack gekommen ist, noch ein paar Trainingsstunden Bauch-Beine-Po verabreichen, von mir aus, sie hat ja lange genug darauf verzichten müssen.
„Du bist großartig“, seufze ich und nehme dem Vermieter die Maske ab, „was meinst du, wie begeistert deine Frau ist, wenn du es ihr so besorgst.“ Der Vermieter sieht mich erledigt an. „Meinst du, sie würde sich auch rasieren?“ Ich nicke. „Mit Sicherheit steht sie drauf, du musst es ihr nur sagen.“
Bald komplimentiere ich den Vermieter aus der Wohnung. An der Tür entschuldigt er sich sogar für die Zettel auf unserer Fußmatte. Ich wette, dass Lena heute noch einiges zu tun hat, wenn sie sich mal von meinem Harem getrennt hat. Und sobald oben beim Vermieter wieder das Bett bebt, wird er uns in Ruhe lassen, und alle sind zufrieden.
Als wir wieder allein sind, auf dem Bett kuscheln und uns küssen, überlege ich mit den Jungs, eigentlich können wir jetzt doch zu der Party dieses neuen Büchermagazins fahren. Paolo lernt mal ein bisschen die Medienwelt kennen, und Xaver kann die Zugfahrt organisieren. Wenn er das Preissystem der Bahn durchschaut hat, mache ich mir um seine nächste Matheklausur auch keine Sorgen mehr. Also: Wir kommen, mein Harem und ich. Sie müssen nicht mehr als ein Hotelzimmer buchen, aber ein großes Bett wär schön. Und vergessen Sie die Kopfkissen nicht. Fünf.
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Sophie Andresky
geboren 1973, arbeitet als freie Schriftstellerin in Berlin.
Als Kolumnistin schreibt sie unter anderem für "Penthouse" und "Young Lisa".
Sie ist Autorin von Vier Büchern mit erotischen Kurz-geschichten und einem jugendfreien Weihnachtskalender-buch.
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