Lesungen, Literaturevents,
Schreibwettbewerbe und mehr
Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens - eine Ausstellung des Literaturhauses München
Die Ausstellung folgt bis zum 20.6.2010 den Spuren der Autorin, angefangen bei ihrer Kindheit im schwäbischen Banat bis hin zur Verleihung des Literaturnobelpreises in Stockholm im Winter 2009. Anhand von größtenteils erstmals zugänglichen Exponaten, Bild- Text-, Ton- und Videodokumenten ist die Welt der Herta Müller zu entdecken – von der Autorin selbst freigegeben.
Mehr Informationen gibt es auf literaturhaus-muenchen.de.
Das poesiefestival berlin geht in die Schulen
Mit Lesungen für Schüler an den europäischen Schulen Berlins sowie zwei Fortbildungen für Lehrer veranstaltet das poesiefestival berlin dieses Jahr ein umfangreiches Bildungsprogramm. Dichter des Festivals lesen ihre Gedichte in den Klassen und diskutieren mit den Schülern über Lyrik. Grundschullehrer können sich über den kreativen Umgang mit Lyrik im Unterricht informieren und Oberstufenlehrer über den Einsatz von Poesiefilmen an der Schule. Dichter aus vier Ländern gehen an die Staatlichen Europaschulen in Berlin, an denen in zwei Sprachen unterrichtet wird. Die Festivaldichter Titos Patrikios, Sara Ventroni, Florence Pazzottu und das Flamenco-Duo Piñana/Tornero, lesen ihre Gedichte, sprechen über ihr Werk und diskutieren mit den Schülern über ihre Arbeit und ihre poetologischen Ideen. Die Schüler bekommen so die einmalige Möglichkeit, mit den Dichtern in direkten Kontakt zu treten. Poesiefilme des ZEBRA Poetry Film Festival hat der Duden Schulbuchverlag auf einer DVD als Unterrichtsmaterial zusammengebracht. Sie ist Grundlage einer Lehrerfortbildung, auf der sich Lehrer über die Verwendung von Poesiefilmen in der Schule informieren können. Sie werden in diesem Workshop auch mit neuen Unterrichtsmodellen für den Lyrikunterricht vertraut gemacht. Der Dichter Arne Rautenberg und der Filmemacher Lars Büchel, deren Werke auf der DVD vertreten sind, sprechen über Möglichkeiten dieses Mediums. Für Deutschlehrer der 4. Klasse bietet LesArt eine Fortbildung für den Umgang mit Lyrik an der Grundschule an. Gelehrt werden Techniken für eine kreative Umsetzung von Gedichten innerhalb von Schulprojekten. Die Fortbildung ist Auftakt zu einem Lyrik-Jahresprojekt im Schuljahr 2010/2011, dessen Ergebnisse im poesiefestival berlin 2011 dann öffentlich präsentiert werden.
Das poesiefestival berlin findet vom 4. – 12. Juni 2010 statt. Der diesjährige Fokus liegt auf dem Mittelmeer weitere Informationen gibt es auf literaturwerkstatt.org.
Die ganz Welt in einem Satz - der Schreibwettbewerb von Beltz & Gelberg und LizzyNet
Viele Jugendliche schreiben Geschichten, Gedichte, Tagebuch. Oder würden es gerne, wenn sie nur wüssten, wie sie ihre Ideen und Gefühle, Gedanken, Beobachtungen und Fantasien ausdrücken könnten. Für sie alle haben die beiden erfolgreichen, vielfach ausgezeichneten Autoren Christa Hein und Henning Boëtius mit Die ganz Welt in einem Satz eine ebenso hilfreiche wie anregende Sprach- und Schreibwerkstatt für junge Dichter geschrieben. Gemeinsam mit dem Onlineportal LizzyNet und ihrem Verlag Beltz & Gelberg laden die beiden Schriftsteller vom 1. Mai bis zum 15. Juni 2010 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren zu einem Schreibwettbewerb ein: Eine angelehnte Tür lautet das Motto, das neugierige, kreative junge Menschen anregen soll, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und hinter der Tür Geschichten oder Gedichte hervortreten zu lassen. Die zwanzig besten Einsendungen erhalten von Christa Hein und Henning Boëtius individuelle Tipps für das weitere Schreiben. Der beste Text wird mit einem Schreibworkshop belohnt, der je nach Wunsch im Freundeskreis, in einem Schreib-Club oder in der Schulklasse durchgeführt werden kann. Einsendeschluss ist der 15. Juni.
Weitere Informationen gibt es unter LizzyNet.de.
Beachparty mit neuen Taschenbüchern für die Ferienzeit
Zur Ferienzeit hat man die Qual der Wahl - welche Bücher für Strand & Hängematte erhalten den knapp bemessenen Gepäckplatz? Und wie ärgerlich ist die falsche Wahl, denn das stellt sich erst am Urlaubsort heraus. Deshalb bietet die Buchhandlung Graff in Braunschweig kompetenten Rat für jeden Geschmack: Drei Buchexperten stellen neue Taschenbücher vor: Aus der graffschen Taschenbuchabteilung Kerstin Sadeghi und Angela Förster - und als Gast Andreas Thiele von der Verlagsgruppe Droemer Knaur. Im Flair einer Beachparty erhalten gibt es wertvolle Tipps rund um Unterhaltung, Spannung, Sachbücher. Donnerstag, 9. Juni um 20:15 Uhr in der Buchhandlung Graff, Eintritt frei.
Weitere Informationen gibt es auf Graff.de.
Bücher erleben - neue Literaturevents mit Bastei Lübbe, Thalia und RTL
Unter dem Motto "Mit RTL Bücher erleben" bietet Bastei Lübbe besondere Begegnungen für Bücherfreunde an. Den Auftakt bildet Cody Mcfadyens aktueller Bestseller "Das Böse in uns". Am 25. Mai tauchen die Teilnehmer des ersten Buch-Events in die Welt von FBI-Agentin Smoky Barrett ein. Mitten in der Filmkulisse von action concept in Hürth, den Machern der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“, zeigen Experten, wie Action entsteht. Während Schauspielerin Dana Geissler aus dem spannenden Thriller liest, werden Szenen aus dem Buch nachgestellt. Die Besucher erleben hautnah Stunts, Explosionen, Verfolgungsjagden und Schießereien. Im Anschluss erwartet die Besucher ein Blick hinter die Kulissen: Stuntman und Actionregisseur Stefan Richter weiht die Anwesenden ein und erklärt, wie die Tricks und Kniffe funktio-nieren. Bewirtet wird stilecht und qualitätvoll aus dem Filmcateringwagen.
Sechs Veranstaltungen finden in den nächsten Monaten statt, jede an einem anderen Ort im Bundesgebiet, jede zu einem anderen Genre. Ob die Teilnehmer auf eine Zeitreise gehen, sich ins Mittelalter oder lieber unter den Sternenhimmel von Neuseeland versetzen lassen - für jeden Lesegeschmack findet sich eine passende Veranstaltung.
Weitere Informationen gibt es in der RTL-Buchwelt.
Online-Literaturwettbewerb von Camper.com
Zusammen mit den bekanntesten europäischen Schreibschulen organisiert Camper im Frühjahr 2010 einen Online-Literaturwettbewerb unter dem Motto „Entdecke deine Stadt“. Dem Flaneur eröffnen sich zuweilen neue Blickwinkel auf die eigene Stadt. Er spaziert und denkt, spaziert und erfindet, Schritt für Schritt, Geschichte auf Geschichte. Er erfindet seine Stadt immer wieder neu, (be-)schreibt und erzählt sie; das Leben und die Erinnerung helfen ihm dabei. Sein Blick ist nicht wiederholbar, seine Geschichten und Pfade nur einmal begehbar. Das ist die Aufgabe: Der Text darf die Länge von 900 Zeichen nicht überschreiten. Ein bekannter Autor wird unter den eingesandten Texten eine Auswahl treffen: Enrico Brizzi (Italienisch), Ian Sinclair (Englisch), Annie Saumont (Französisch), Claudia Rusch (Deutsch), Agustïn Fernandez Mallo (Spanisch). Am Ende stehen fünf Gewinner in fünf verschiedenen Sprachen fest. Diese Gewinner werden zu einem Schreibkurs an einer der europäischen Schreibschulen, die sich am Wettbewerb beteiligen, eingeladen (Scuola Holden, London School of Journalism, Aleph Ecriture, Escuela de escritores). Schließlich kann einer der fünf Finalisten ein Wochenende im Casa Camper in Berlin oder Barcelona gewinnen.
Einsendeschluss ist der 15. Mai, mehr Informationen gibt es bei Camper.com.
25. Bücherbummel auf der KÖ - 10.-13. Juni 2010
Im Juni 2010 feiert der Bücherbummel auf der KÖ seinen 25. Geburtstag – und für dieses Jubiläum wird sich Deutschlands größte open-air-Buchhandlung und Düsseldorfs dienstälteste Literaturveranstaltung vom 10. bis 13. Juni ganz besonders herausputzen. Neben dem üblichen Treiben an den über 100 Ständen von Buchhandlungen, Antiquariaten, Verlagen und kulturellen Institutionen steht in diesem Jahr das nostalgische Spiegelzelt „Moulin Rouge“ im Zentrum der literarischen Aktivitäten rund um den Bücherbummel. Täglich ab 10 Uhr bietet das Spiegelzelt auf der gesperrten Bahnstraße ein abwechslungsreiches Programm bis spät in den Abend hinein.(buecherbummel-auf-der-koe.de)
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Ralf Rothmann erhält den Walter-Hasenclever-Literaturpreis 2010
Der in Berlin lebende Schriftsteller Ralf Rothmann erhält in diesem
Jahr den Walter-Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen. Der Preis
wird am 31. Oktober im Ludwig-Forum für Internationale Kunst verliehen.
Bereits am Vortag wird in Aachen eine Lesung mit Ralf Rothmann
veranstaltet. (Presseamt Aachen)
Vom 8. bis 13. Juni 2010 laden Meißens romantische Gassen, Brückenbögen, Höfe und Plätze wieder zum Literaturfest der besonderen Art ein. Die historische Altstadt wird an den sechs Tagen zum Schauplatz von Geschichten rund um Mittelalter, Renaissance und Fantasy.
Schauspieler Jürgen Haase liest aus Herr der Ringe. Sein Zuhause ist die Bühne, seine Leidenschaft die Literatur. Dass der Schauspieler Jürgen Haase beim diesjährigen Literaturfest Meißen mit dabei sein wird, erscheint daher nur eine logische Folge. Der bekannte und beliebte Schauspieler hat sein Kommen für Samstag, den 12. Juni 2010, zugesagt. Mitbringen wird er den letzten Teil der Romantrilogie „Herr der Ringe“ von John Ronald Reuel Tolkien. „Ich möchte Auszüge lesen, die bei der Verfilmung der ‚Rückkehr des Königs’ keine Rolle gespielt haben“, erklärt Jürgen Haase.
Zum Literaturfest Meißen sind in diesem Jahr mehr als 120 Veranstaltungen an verschiedenen historischen Orten der Stadt geplant. Über 60 Autoren und Prominente lesen Werke für Jung und Alt, von Kindergeschichten bis hin zu Auszügen aus historischen oder Fantasy-Romanen. Das Besondere: Zu allen Lesungen ist der Eintritt frei. Schirmherr des Literaturfestes Meißen ist Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière.
Das ganze Programm des Literaturfestes gibt es unter literaturfest-meissen.de.
A-C - D-F - G-J - K-M - N-P - Q-S - T-V - W-Z
A-C
Schneller als der Tod - Josh Bazell
Was ist gefährlicher? Die Mafia am Hals zu haben oder Krankenhaus-Patient im Manhattan Catholic in New York zu sein? Leicht zu beantworten nach Josh Bazells furiosem, rabenschwarz-witzigem, gewitzten und unerhört tempogeladenem Buch: beides ist lebensgefährlich. Der US-Autor Josh Bazell ist Kampfsportler und studierte Literatur und Medizin. Während der Arbeitspausen im Krankenhaus schrieb er sein erstes Buch – und gab all seine Erfahrungen an sein alter ego Pietro alias Dr. Peter Brown weiter, dem Protagonisten von „Schneller als der Tod.“ Pietro war Mafiakiller, hat dann gegen die Paten ausgesagt und im Zeugenschutzprogramm des FBI eine neue Existenz als Internist begonnen. Doch dann liegt ein alter Bekannter mit Krebs vor ihm im Hospital-Bett – und erkennt ihn natürlich. Der Deal: Du rettest mir das Leben, ich verpfeife dich nicht. Leider ist der Chefchirurg ein Dilettant, auch Pietro kann am OP-Tisch nichts mehr retten, der Mafioso stirbt – und hat für diesen Fall vorgesorgt: Pietro bekommt Besuch, der alte Rechnungen begleichen will … Schön schaurig und mit schnoddriger anatomischer Präzision beschreibt Josh Bazell, wie man Menschen vom Leben zum Tod befördert, sei es im Haifischbecken oder mittels präziser Schläge. Und Pietro ist bestimmt der erste Killer der Krimigeschichte, der sich das eigene Wadenbein entnimmt, um es als Dolch zu verwenden …
Komisch und zynisch: Das „einfallsreichste Buch des Jahres“ (USA Today) sollte es eigentlich auf Krankenschein geben.
12.10. – Kino Babylon, Berlin
Black Rabbit Summer - Kevin Brooks
Nicole, Eric, Pauly und Pete und Raymond haben früher viel zusammen unternommen. Bevor Nicole und Eric nach Paris ziehen, treffen sie sich. Der Abend mit Alkohol, Drogen, Streit hat ein katastrophales Ende: Raymond und der Teenager-Star Stella Ross sind spurlos verschwunden. Die Polizei glaubt an ein Sexualverbrechen. „Black Rabbit Summer“ ist eine Mischung aus Krimi und Thriller. Kevin Brooks mutet wie gewohnt seiner Hauptfigur Pete wieder eine Ausnahmesituation zu, die ihn überfordert und ihn zwingt, daran zu wachsen. Kaum jemand schafft es, mit dieser Intensität Jugendliche in Grenzsituationen zu beschreiben und dabei die Abgründe von Menschen zu zeigen.
Dem Sog dieses sprachlich und psychologisch dichten Buchs können sich weder Erwachsene noch Jugendliche entziehen.
20.05. – Literaturhaus Köln
Als Durante kam - Andrea De Carlo
Der Name des Titelhelden markiert einen Kalauer – und ein Dilemma. Das italienische „durante“ heißt „während“, steht für ein Intermezzo. Ähnlich flüchtig mutet die Ankunft eines Fremden namens Durante in einem Appenin-Dorf an. Einerseits ist der Freigeist bestrickend in Statur und Rhetorik, andererseits windig und wendig, sagen Alteingesessene. Pietro und Astrid, die sich in dem Dorf eine Existenz als ökologisch korrekte Weber aufgebaut haben, sind zu fasziniert, um objektiv zu sein. Sie verfallen dem Invasor, der philosophiert, was das Zeug hält. In seinem jüngsten Roman zeigt sich De Carlo, der jüngst bisweilen müde schien, auf der Höhe seines Verführungskönnens: „Als Durante kam“ bestrickt wie sein Protagonist.
Anleitung zur Menschenfängerei: Andrea De Carlo knüpft an seine bestrickendsten Romanerfolge an.
02.-04.07. – 15. Literaturfestival Leukerbad
D-F
Gartengeschichten - Eva Demski
Das Paradies ist in vielen Religionen ein Garten. Unzählige Menschen wollen schon im Diesseits so etwas haben. Von diesem Moment an stellt sich jeden Tag aufs neue die Frage: Hat der Garten uns, oder haben wir ihn? Seit Adam und Eva ist diese Frage von nicht geringer Bedeutung für das menschliche Geschick. Auf vielerlei Pfaden geht Eva Demski in ihrem neuen Buch dem Garten-Mensch-Verhältnis nach, der kulturellen, sozialen, persönlichen Bedeutung von Gärten, sie erzählt vom Scheitern ebenso wie vom Glück des Gelingens, der Erschaffung eines Stücks Himmel auf Erden.
Was macht ein Garten im Krieg, wie rettet oder beendet er Ehen, was sind Gartenterroristen? Wie benimmt sich bildende Kunst im Garten, was pflanzen Menschenfeinde am liebsten an und wie könnte Epikurs Garten ausgesehen haben? (Suhrkamp)
30.05. – Stadtbücherei Singen
01.06. – Restaurant "Eichmühle", Regenstauf
09.06. – Galerie der Schader-Stiftung, Darmstadt
17.06. – Landesgartenschau Villingen-Schwenningen
16.07. – Max-Liebermann-Villa, Berlin
Letzte Stories - Franz Dobler
Ob Franz Dobler wirklich der »letzte bayerische Cowboy« ist, wie die FAS behauptete, muss bezweifelt werden – auch wenn er seit 1991, als mit »Jesse James und andere Westerngedichte« sein erstes Buch erschien, eine beständig wachsende Fangemeinde hat. Zu seinen Einflüssen zählen Jörg Fauser ebenso wie Johnny Cash, Rosa Luxemburg nicht weniger als Charles Bukowski. Und doch ist Franz Dobler eher der Gentleman der Gegenwartsliteratur – der Lässigkeit bewahrt, auch wenn's ernst wird. »Letzte Stories« sind 26 neue Geschichten, alphabetisch geordnet ergeben sie ein »ABC des Lebens«. Sie handeln zum Beispiel davon, wie jemand doch nicht wahnsinnig wurde. Oder von einem Mann in einer Bar, der sich keine Witze merken kann außer diesem: »Mit dem Schreiben ist es wie mit dem Sex, es macht nur den Amateuren Spaß.« (Blumenbar)
26.05. – Villa Merkel, Esslingen
12.06. – Spiegelzelt, Düsseldorf
08.07. – Buchecke, Diedorf
Der englische Tänzer - Friedrich Dönhoff
Musicalstadt Hamburg. Plakate und Zeitungen kündigen es an: Die neuste Produktion aus London mit Hits aus den achtziger Jahren, ›Tainted Love‹, kommt ins Hans-Albers-Theater an der Reeperbahn. Doch am Morgen vor der Premiere wirft ein seltsames Ereignis einen unheimlichen Schatten voraus: Eine Backstage-Mitarbeiterin sieht im Zuschauersaal einen Toten von der Kuppel hängen. Als aber Kommissar Sebastian Fink am Tatort eintrifft, ist von der Leiche keine Spur mehr zu finden. Alles nur eine Vision? In seinem zweiten Fall ermittelt Sebastian Fink hinter den Kulissen der Musicalbranche. Es geht um Eitelkeiten, Cliquenwirtschaft und sehr viel Geld. Tänzer und Musiker, Choreographen und Manager – alle stehen unter Druck. Jeder beobachtet jeden. Und doch will niemand gesehen haben, wie ein Mensch aus ihren Reihen zu Tode kam. (Diogenes)
01.06. – Heymann Buchzentrum, Hamburg
03.06. – Rathausdiele, Jork
15.06. – Schloss Schönstein, Wissen-Schönstein
28.06. – Buchhandlung Köthers & Röttsches, Herne
21.10. – Kulturbüro Schwerin
28.10. – Bücherwurm, Pinneberg
04.11. – Institut für Zeitgeschichte, Hamburg
07.11. – Restaurant Cosmopolitan, Hauptbahnhof Frankfurt am Main
Vorliebe - Ulrike Draesner
Die Welt ist deutschen Autoren nicht mehr genug. Auch Ulrike Draesner zieht es in extraterrestrische Sphären. Wieder frönt sie dabei ihrem Faible für Naturwissenschaften: Harriet ist Astrophysikerin und träumt davon, es Ulf Merbold gleichzutun. Dass ihr Leben zunächst aus dem geerdeten Takt gerät und dann im Jenseits jeder anständigen Umlaufbahn mündet, hat mit allzu irdischen Gefühlsirrungen zu tun: Die Begegnung mit einem früheren Lover versetzt die sonst so faktenversessene Halbinderin ebenso in Verwirrung wie das ruchbare Anbandeln ihres Partners, dessen Wagen den der Gattin von Harriets Jugendliebe gerammt hat. Gewitzt imaginiert Draesner Regungen und Reminiszenzen, die nicht ganz von dieser Welt sein können.
Überirdisch unterhaltsam: Draesners Prosa-Transit zwischen der Himmelsmacht Liebe und dem Weltall ist eine tollkühne Parabel.
30.05. – Goethe-Haus, Frankfurt am Main
29.06. – Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen
Furchtbar lieb - Helen FitzGerald
Drogenqueen Krissie und die „furchtbar liebe“ Arztgattin Sarah wollen beste Freundinnen sein. Doch dann lässt sich Krissie von einem Unbekannten auf der Discotoilette schwängern, während Sarah ihrem Gatten Kyle das Leben zur Hölle gemacht hat, um Mama werden zu können. Verkehrte Welt. Nervenzusammenbruch. Als Sarah bei einer Campingtour Krissie mit Kyle im Bett erwischt, kommt es zum Showdown. Sie will das Baby ihrer Freundin gegen den Ehemann tauschen. Sarah entwickelt sich zur Furie, die endlich mit den verdammten Kerlen abrechnet. Ironisch, zwischen Großmäuligigkeit und Verzweiflung wechselnd, beschreibt Helen FitzGerald einen Kampf um Liebe, Freundschaft, Würde, Glück.
Sex im Kindbett, eine männermordende Furie, Poesie zwischen Pfandflaschen: hyperaktiv und schön zugleich.
27.05. – Opernturm (29. Stock), Frankfurt am Main
Österreich ist schön. Ein Märchen - Franzobel
Als Franzobel die Asyl suchende Arigona aus dem Kosovo das erste Mal mit Anne Frank vergleicht, schrickt man zusammen. Aber schnell wird klar, dass der Österreicher nicht die billige Nazikarte ausspielen will. Er will anhand der Ausländerpolitik seines Landes zeigen, wer die „neuen Juden“ sind, die Rechtlosen, überall Verfolgten. Die Geschichte des Teenagermädchens, das ein Jahr nach ihrer Flucht vorm Krieg abgeschoben werden sollte, klingt wie ein böses Märchen, ist aber wahr, und die Politiker spielen weiter Aschenputtel: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“ Nur Huren erhalten in Österreich jederzeit eine Aufenthalts- und eine Arbeitsbewilligung. Das ist pervers.
In den Bus packen, ab zur Grenze und auf Nimmerwiedersehen? Franzobel schreibt einen ätzendguten Essay gegen Fremdenhass.
19.09. – 10. Internationales Literaturfestival Berlin
G-J
Alles über Sally - Arno Geiger
„Keine Action, ein eintöniges Sexualleben, stattdessen Thrombosestrumpf und Stubenhockerei.“ Das sind die Worte, die der 52-jährigen Sally einfallen, wenn sie an Alfred denkt, mit dem sie seit dreißig Jahren verheiratet ist. Ein Einbruch in der Wiener Wohnung bringt das Gefühlsfass zum Überlaufen und Sally zum Ausbruch. Mit Alfreds bestem Freund beginnt sie eine überstürzte Affäre, doch das Glück stellt sich immer noch nicht ein. Buchpreisträger Arno Geiger versteht es, spitzzüngige Pointen zu liefern, seine Beschreibung einer Alltagsehe aber ist überraschend banal und altbacken ausgefallen. Vor allem bleibt die bürgerlich gewordene Sally eine unverzeihlich uninteressante Figur – ihr Weg zu sich selbst verkommt zum lauen literarischen Lüftchen.
Denkbar konventioneller Ehebruchsroman ohne Energie. Ein flaues Buch mit flauen Figuren.
20.05. - Literaturclub Nürnberg
Verliebt in Sankt Petersburg - Lena Gorelik
Mindestens zweimal im Jahr reist Lena Gorelik in ihre Geburtsstadt Sankt Petersburg, eines der beliebtesten, neuerdings auch eines der sexysten Reiseziele Europas. Ihre Eindrücke hat sie in unterhaltsames, apartes Reisebuch mit viel Insiderwissen gepackt. (SchirmerGraf)
07.06. - KOHi-Kulturraum e.V., Karlsruhe
Miteinander oder gar nicht - Alida Gundlach
Ein enger Austausch zwischen den Generationen ist lebenswichtig. Wir können es uns nicht leisten, auf familiären Zusammenhalt, jahrzehntelange Erfahrungen, reiches Wissen und erworbene Kompetenz zu verzichten. Dabei ist eine Annäherung nie leichter gewesen als heute. 60-jährige stehen als Rockband auf der Bühne, 40-jährige sind im Sport erfolgreich. Man bleibt länger fit und aktiv und rückt schon dadurch näher zusammen.
Alida Gundlach berichtet von ihrem Leben mit den Generationen; von ihren Erfahrungen, Ansichten, Prägungen. Sie gibt Einblick in ihre europäische Erziehung durch die verschiedenen Nationalitäten ihrer Familie (Mutter: Italienerin, Vater: Niederländer – und ihre Jahre in Spanien). Und sie erzählt von ihrem großen Traum, dem Bühnenprojekt der Generationen: ZEIT. Was hat es damit auf sich? Warum sollte es unbedingt wahr werden? Welche Erkenntnisse hat sie daraus gewonnen? (Südwest)
26.05. - Buchhandlung Krüger, Versmold
17.06. - Stadtbücherei, Ingelheim
Kürzere Tage - Anna Katharina Hahn
Mustermütter und Karrierefrauen, Eurythmie und Hysterie, Alleinerziehende und Problemkinder, Wohlstand und Verwahrlosung.
Was geschieht, wenn man das Leben, das man immer haben wollte, endlich führt? Wenn die Kompromisse in Zwang umschlagen und das Glück sich nicht einstellt? In ihrer literarisch bestechenden Bestandsaufnahme erzählt Anna Katharina Hahn von Frauen, deren Lebensraum zum Käfig geworden ist – und von einem Jungen, der ausbricht. (Suhrkamp)
26.05. - Opernturm, Frankfurt
Wo wirst du sein - Lukas Hammerstein
„Bad Banks“, ausgestorbene Villenviertel, Millionen neuer Arbeitsloser: Das ist die Realität in diesem Post-Finanzkrisen-Szenario. Um irgendwas zu tun, entführen Neoanarchisten die vermeintliche Oberkapitalistin. Doch bald erkennt Bewacher Max in ihr seine Jugendliebe. Die beiden vergleichen ihre so unterschiedlichen Lebensläufe. Man spürt Melancholie und Wut angesichts einer sämtlicher Sicherheiten beraubten Gesellschaft voller Anpasser. Kein Wunder, dass darin nicht nur ihre Beziehung heillos kompliziert daherkommt. „Alles an diesem Mann in seinem Bett war leuchtende, schreiende Schwäche, und dafür liebte er ihn“, schreibt Hammerstein – ihm selbst bringt man für solche Sätze ähnliche Gefühle entgegen.
Was zunächst wie eine Buchfassung von „Die fetten Jahre sind vorbei“ wirkt, entpuppt sich als faszinierend erzählte Systemkritik.
28.05. - IG Metall, Frankfurt am Main
Bis ans Ende der Meere - Lukas Hartmann
Im Juni 1776 schifft sich der junge Zeichner John Webber in Plymouth (England) zur dritten Weltumsegelung auf dem Dreimaster ›Resolution‹ ein. Kapitän ist James Cook. Webber quartiert sich in der Kajüte ein, in der Georg Forster auf Cooks zweiter Weltumsegelung Tagebuch führte. Webber wird zum Vertrauten von Captain Cook, stirbt beinahe und begegnet seiner großen Liebe. Vier Jahre später kommt Webber zurück, gezeichnet von den Strapazen der Reise. Die Sehnsucht nach der Südsee wird ihn nie mehr loslassen. Captain Cook, der aufgebrochen war, um die Nordwestpassage durchs arktische Eis zu finden, kehrt nicht heim. Was war geschehen? Ein spannender historischer Roman um den rätselhaften Captain James Cook und zugleich die Entwicklungsgeschichte eines jungen englischen Malers mit Schweizer Wurzeln. (Diogenes)
20.05. - Museum für Völkerkunde, Wien
28.05. - Atelier Bovet, Lohn-Ammannsegg
01.07. - Literaturtage Braunwald
17.09. - IPH Hitzkirch
18.-19.09. - Literaturtage, Brugg
28.10. - Aula der Unterstufe, Bremgarten b. Bern
Frau Paula Trousseau - Christoph Hein
Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten fährt die 19jährige Paula zur Aufnahmeprüfung der Kunsthochschule nach Berlin. Sie wird Malerin, um den Preis der Verhärtung gegen alle und alles. Sämtliche Beziehungen zu Männern scheitern, die zu Frauen gehören zu den beständigeren, vertreiben jedoch nicht die dominierenden Grautöne aus ihren Bildern. Woher kommt diese Gleichgültigkeit gegenüber den anderen und am Ende gegen sich selbst? Wie werden wir, was wir sind? (Suhrkamp)
01.06. - Auditorium du Musée Fabre, Montpellier
03.06. - Librairie Vents du Sud, Aix en Provence
19.06. - Galerie im Hoffmannschen Gut, Dürröhrsdorf-Dittersbach
Tante Inge haut ab - Dora Heldt
Christine und Johann führen eine Fernbeziehung und freuen sich auf den gemeinsamen Urlaub. Nachdem Johann ein Jahr zuvor von Heinz, Christines eigensinnigem Vater, schwer in die Prüfung genommen wurde, soll im Haus der Eltern auf Sylt ein für allemal Harmonie hergestellt werden. Doch bei der Ankunft steht Tante Inge, die Schwester von Heinz, mit wehenden Fahnen am Bahnsteig. Was hat es mit ihrem unbekannten Verehrer auf sich? Heinz fühlt sich in der Pflicht, der Sache nachzugehen. Als auch noch Inges neue Freundin Renate auftaucht, ist das Chaos perfekt. Christines Beziehung wird erneut auf die Probe gestellt. Kurzweilig, aber überraschungsfrei schildert Dora Heldt, wie es mit ihrem Traumpaar aus „Urlaub mit Papa“ weitergeht.
Ein lauer Sommerroman über Familienchaos und Veränderungen – immer sympathisch, manchmal witzig, meistens vorhersehbar.
18.08. – Buchhandlung Schimmel, Uelzen
23.08. – Haus des Gastes, Amrum
Die Ängstlichen - Peter Henning
Das Zentrum der Angst erkundet man am besten in der Provinz – im hessischen Hanau zum Beispiel. Hier lebt eine recht durchschnittliche und total elende Familie, deren Chronik mehr über den Zustand des Landes verrät als jede Umfrage. Im Zentrum steht Johanna, die herrische Patriarchin, die ihre Familie vor dem Einzug ins Altersheim noch einmal um sich scharen will; ihr Sohn Helmut säuft; sein Sohn Ben ist ein verkrachter Sportreporter und vergrault die Frau, die ihn liebt; ihre Tochter Ulrike hasst ihren Mann Rainer, der sie laufend betrügt, aber die Kleinstadtvilla bezahlt. Und Konrad, das dritte Kind, ist in der Psychiatrie untergebracht. Alle hier sind krank. Sie wollen ausbrechen und scheitern in diesem geradezu psychosomatischen Buch.
Ein echter deutscher Gesellschaftsroman: Peter Henning schafft das, was andere nur versprechen. Große Klasse!
08.06. – Literaturhaus, Darmstadt
Chaussee der Enthusiasten - Merle Hibk
Die Reisejournalistin Merle Hilbk hat ein Erlebnis-Sachbuch über einige der 3,5 Millionen Russlanddeutschen geschrieben – und Vorzeigekandidat Wladimir Kaminer nicht getroffen. Stattdessen besuchte sie deutschrussische Professorenhaushalte,
Diskothekenbesitzer, russisch-orthodoxe Gemeinden und die erste Fußballmannschaft vom TSV Buchen. Dieser kleine Verein schwimmt auf einer Erfolgswelle, weil inzwischen Aussiedler mitspielen dürfen: „Wer integriert,
gewinnt.“ Den Gegensatz bilden Justizvollzugsanstalten, wo russische Häftlinge Faust auf Faust
zusammenhalten und sich an der großspurig auf den Waden ruhenden „Russenhocke“ erkennen, die „allerdings keine Machogeste ist, sondern schlicht der Verhinderung von Blasenentzündungen in einem Land dient, in dem der Boden die längste Zeit des Jahres gefroren ist“. Deutschlands Klima bleibt für viele frostig, Heimat hin oder her. Und fremd bleiben hier viele aus Russland – trotz Russendiskos und Kaminer.
09.06. – Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg
Letzte Nacht in Twisted River - John Irving
1954 in einem Flößer- und Holzfällercamp in den Wäldern von New Hampshire: Der 12-jährige Danny verwechselt im Dunkeln die Geliebte des Dorfpolizisten mit einem Bären, mit tödlichen Folgen. Der Junge muss mit seinem Vater Dominic, dem Koch des Camps, fliehen – zuerst nach Boston und von dort weiter nach Vermont und Iowa und schließlich nach Kanada, verfolgt von einem Rächer, der auch nach Jahrzehnten nicht vergisst. Jedes Mal steht Dominic in einer neuen Küche und muss aus fremden Zutaten etwas zaubern: ein neues Gericht, eine neue Identität, eine neue Existenz für sich und seinen Sohn. Doch das Leben von Danny und Dominic bleibt eine Achterbahnfahrt, mit höchstem Glück und tiefstem Schmerz, mit bedrohlichen ebenso wie mit liebenswerten Weggefährten. Dabei sehnen sich die beiden nur danach, endlich zur Ruhe, irgendwo anzukommen. (Diogenes)
12.09. – Laeiszhalle-Musikhalle, Hamburg
13.09. – Tanzbrunnen, Köln
14.09. – Tanzbrunnen, Köln
16.09. – Theaterhaus Stuttgart T1
18.09. – Schauspielhaus Zürich Pfauen
K-M
Roman unserer Kindheit - Georg Klein
Dass Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ der Preis der Leipziger Buchmesse verwehrt wurde, ist die gute Nachricht. Die schlechte: Georg Kleins überambitionierter „Roman unserer Kindheit“ gewann. Ausufernd wie eine Nilschwemme beschreibt er eine Kinderclique im Augsburg der 1960er Jahre, zwischen Vogelzüchtern, Kriegsversehrten, Witze erzählenden Ärzten, Nudelpunkt-Sammlern, falsche Bären, einem Fehlharmoniker. Man besucht Schrebergärten, Bierkeller, Tabaklädchen, Fußballplätze. Das neue Telefon erobert die Diele. Wundertüten enttäuschen mit Plastikringen – viel Hoffnung, noch mehr Nippes. Obwohl ein Mord angekündigt wird, quält sich die Geschichte spannungslos durch eine bleierne Zeit.
Süßliche Angstsäfte im gelackten Himmel – oder so ähnlich. Kleins „Roman unserer Kindheit“ ist Literaturhaus-Kitsch.
25.05. – Literaturhaus Schleswig-Holstein, Kiel
26.05. – Literaturbüro Hannover
27.05. – Theater in der Druckerei, Salzburg
10.06. – Buchhandlung Decius, Hildesheim
Endstation Rußland - Natalja Kljutscharjowa
Rußland heute ist ein Land der Extreme: bitterste Armut in den abgehängten Provinzen, schamlos ausgestellter Reichtum in der Megametropole Moskau. Ein Land, in dem die Wut brodelt und junge Leute revolutionär gestimmt sind. Sie sympathisieren mit den Zarenattentätern, befassen sich mit Bombenbau oder übersetzen Slavoj Žižek. Nikita, Anfang Zwanzig, ist einer von ihnen: ein Petersburger Student, der zu Ohnmachtsanfällen neigt und mit Jasja zusammen war, bevor sie einem Geschäftsmann in die Schweiz folgte. Ihren Verlust kann er nicht verwinden. Seit sie fort ist, hält es ihn nirgends mehr. Er fährt kreuz und quer durchs Land und gewinnt mit seinem Lächeln das Vertrauen wildfremder Menschen, die ihm in der Eisenbahn ihr Leben erzählen – Geschichten, die ihn aufwühlen und schließlich zum Handeln zwingen. (Suhrkamp)
25.05. - lcb - Berlin
Rauhnacht - Volker Klüpfel / Michael Kobr
Eigentlich sollte es für die Kluftingers ein erholsamer Kurzurlaub werden, auch wenn das Ehepaar Langhammer mit von der Partie ist: ein Winterwochenende in einem schönen Allgäuer Berghotel samt einem Live-Kriminalspiel. Doch aus dem Spiel wird blutiger Ernst, als ein Hotelgast unfreiwillig das Zeitliche segnet. Kluftinger steht vor einem Rätsel: Die Leiche befindet sich in einem von innen verschlossenen Raum. Und über Nacht löst ein Schneesturm höchste Lawinenwarnstufe aus und schneidet das Hotel von der Außenwelt ab. Kommissar Kluftinger ist ganz auf sich allein gestellt. Das heißt: fast. Denn Doktor Langhammer mischt bei den Ermittlungen kräftig mit. Und das alles während der berüchtigten Rauhnächte, über die man sich hier in den Bergen grausige Geschichten von bösen Mächten erzählt. (Piper)
20.05. - Wangen/Allgäu, Stadthalle
01.07. - Pforzheim, Kulturhaus Osterfeld
02.07. - Villingen-Schwenningen, Theater am Ring
03.07. - Albstadt-Ebingen, Festhalle
09.07. - Höchstädt, Schloß Höchstädt
Nach Hause schwimmen - Rolf Lappert
Wilbur wants to kill himself – doch er landet glücklicherweise in einer Nervenklinik. Dort lernt er Aimee kennen. Sie weckt neues Leben in ihm, sodass Wilbur sogar auf ihren Mitbewohner eifersüchtig wird. Doch weil er nicht weiß, ob sie ihn nur für ihren Artikel über die schlechten Bedingungen in der Klinik braucht, verwendet er seine Energie vorerst lieber darauf, seinen tot geglaubten Vater zu finden. Die Geschichte wechselt von Amerika nach Irland, von der lakonischen Ich-Perspektive Wilburs auf die Erzähler¬ebene. In Rückblenden erfährt man, wie Wilburs Leben seit seiner Geburt aussah, aber auch von vielen anderen Geschichten. Hier wimmelt es von Menschen, denen Unglück geschieht, die es mit der Hilfe anderer aber zu meistern wissen. Den beiden Schauspielern Peter Jordan und Stephan Schad gelingt der Perspektivenwechsel auf eindrucksvolle Weise. Diese Stimmen sind eine Idealbesetzung, und die zehn Stunden Hörzeit vergehen wie im Flug.
31.08. - Literaturhaus Hamburg
Gesichertes - Hanna Lemke
Nichts ist gesichert in diesen Geschichten, die Hanna Lemke in »Gesichertes« versammelt hat, die Liebe nicht und schon gar nicht das Einkommen. Die jungen Frauen und Männer ziehen durch die Clubs und Kneipen der Städte genauso wie durch ihre Wohngemeinschaften und Jobs. Zu jung, um etabliert, zu alt, um sorglos zu sein, lassen sie sich treiben durch eine Welt voll verbrauchter Gesten und beobachten dabei mit verstörender Empfindsamkeit sich selbst und die anderen. Alles, was Georg besitzt, passt in eine Reisetasche, und wenn ihm langweilig wird, zieht er wieder aus. Doch solange er da ist, ist es schön. Katrin sieht überall Idioten, eigentlich müsste sie immer eine Knarre dabei haben. Und das Glück, das Milan immer hatte, auch bei seinem Autounfall, wollte er vermutlich gar nicht. In einer eindringlich konzentrierten Sprache erkundet Hanna Lemke die zufälligen Begegnungen und brechenden Beziehungen, die Stimmungen, Spannungen und Unsicherheiten an den Randgebieten einer Jugend, die nicht enden will, und erzählt von der existenziellen Suche nach einer Haltung, die keine Pose ist. (Kunstmann)
10.06. - Büchernacht/Börsenverein, Berlin
Das möge Gott verhüten - Majella Lenzen
Als Aidskoordinatorin im tansanischen Moshi informiert Ordensschwester Maria Lauda über Kondome. Werbung für die Plastiktütchen hat sie aber nie gemacht. Dann, im Januar 1992, hilft sie bei der Verteilung von Kondomen an Prostituierte – in Ordenstracht und wird vom Bischof gefeuert. Heute heißt Schwester Maria Lauda wieder Frau Majella Lenzen, lebt in Düren, und muss zusehen, wie sie die Miete bezahlt. Ihr wichtiges und sehr persönliches Buch kann ihr dabei helfen, doch rechnet die 71-Jährige mitnichten mit der katholischen Kirche ab. So müsste der Untertitel ihrer Autobiografie eigentlich lauten „Warum ich keine Nonne mehr sein darf“.
Gekündigt, weil sie Gutes tat: Majella Lenzens Geschichte packt die katholische Verhütungspolitik an empfindlicher Stelle.
17.06. – Schillersaal, Offenburg
Apostoloff - Sibylle Lewitscharoff
Bulgarien ist ein lächerliches Land. „Es bringt keine Freude aus dem Fenster zu starren, die Augen werden einem dabei dumm.“ Zwei Schwestern reisen durch die Heimat ihres verstorbenen Vaters. Nach der Überführung des schwäbischen Exilbulgarens chauffiert der Fahrer die zwei in einem knatterigen Daihatsu durchs Vaterland, von Sofia bis Arbanassi, vom Schwarzen Meer bis Varna, wo die hässlichsten Prostituierten in brütender Hitze am Straßenrand stehen. Immer dabei: der Verstorbene. „Halb schlafend, halb wach ruht der Vater am Rand des Horizonts. Das Auge, das über dem Horizont liegt, betrachtet die Küste mit uns, seine geliebte Schwarzmeerküste.“ Er taucht auf in den Träumen der einen Schwester, weckt die Kindheitserinnerungen, ermöglicht die Auseinandersetzung mit seinem Selbstmord. Nicht melancholisch, sondern wunderbar bissig und böse ist Sibylle Lewitscharoffs Roman über die Abrechnung mit dem Papa.
27.05. – Villa Elisabeth, Berlin
08.06. – Literaturhaus Frankfurt
19.06. – Literatur- und Kunstburg Ranis
05.09. – Kultur- und Kongresszentrum, Luzern
Ein Chinese auf dem Fahrrad - Ariel Magnus
Ramiro, Zeuge bei der Gerichtsverhandlung gegen den vermeintlichen Brandstifter Li, wird in das chinesische Viertel von Buenos Aires entführt. Mehr Gast als Geisel lernt er eine völlig neue Kultur kennen und verliebt sich in die hübsche Chinesin Yintai, die ihm mit ihren Liebesspielen und ihren Reden für eine chinesische Vormachtstellung in der Welt die Sinne raubt.
Dieser ungezügelt komische Roman führt den Leser in die Wunderwelt chinesischer Miniläden, ins Chinatown von Buenos Aires, und ist eine der witzigsten Liebeskomödien der letzten Zeit. Die ganze Stadt sucht einen mysteriösen Brandstifter, Fosforito (das Streichhölzchen) genannt, der, so das Gerücht, nach seinen Untaten immer auf einem Fahrrad flüchten soll – er ist ja ein Chinese. Li passt genau ins Bild, und so wird er verhaftet. Bei seiner Verurteilung nimmt er eine Geisel, den Computerfreak Ramiro. Er entführt ihn ins Chinesenviertel von Buenos Aires, und zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft. In einer merkwürdigen Abwandlung des Stockholm-Syndroms findet Ramiro immer mehr Gefallen an seinen Entführern und ihrer Welt, in der er zwar kein Wort versteht, aber immerhin den besten Sex seines Lebens hat. In dieser Welt steht alles Kopf: Sein Bewacher bittet ihn, bei einem großangelegten Einbruch mitzumachen, seine Liebhaberin will nur an der frischen Luft mit ihm schlafen und Li gesteht, dass alles eine große Verwechslung war. Als Ramiro merkt, dass Li gar nicht Fahrrad fahren kann und die großen jüdischen Machtkämpfe doch chinesische sind, wird es Zeit für ihn, auch mal selbst eine Entscheidung zu treffen. Argentinien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2010! (Kiepenheuer & Witsch)
26.05. - 03.06. - Frankfurt
03.06. - 13.07. - Berlin
10.07. – Saarbrücken
09.09. - 10.09. – Hamburg
23.09. – München
Das war ich nicht - Kristof Magnusson
Pulitzerpreisträger Henry hat in einer TVShow den großen 9/11-Roman angekündigt, seitdem aber keine Zeile geschrieben, Seine Übersetzerin Meike kann die Raten für ihr Haus nicht abbezahlen. Und Börsenhändler Jasper spekuliert mit fiktivem Geld von Kunden, die nur in Henrys Romanen existieren. „Das war ich nicht“ erzählt von Hochstaplern, die in Chicago aufeinandertreffen und sich gegenseitig weiter schädigen, bei einem Pokerspiel ganz besonderer Art. Wendungsreich erklärt Magnusson das Treiben an den Aktienmärkten, die existentiellen Nöte eines Schriftstellers und weshalb einsame Menschen irrationale Entscheidungen treffen, die eine komplette Volkswirtschaft in die Dauerkrise stürzen.
Ein Roman über Blackberry-Junkies und krumme Deals. Gut recherchiert und sehr verständlich geschrieben.
20.05. – Buchhandlung Shakespeare und so, Mainz
31.05. – Bar jeder Vernunft, Berlin
06.06. – LiteraturLounge Hauptbahnhof, Frankfurt
07.06. – Büchereck am Rathaus, Vellmar
11.06. – Literaturtage, Heidelberg
17.06. – Alter Wiehrebahnhof, Freiburg
20.06. – Burg Ranis
02.-04.07. – Leukerbad
10.07. – Koster Dalheim, Lichtenau
12.07. – Neuss
24.-25.07. – Querlesen Musikdorf Ernen
15.08. – Hamburg
01.09. – Buchhandlung Viola Taube, Nordhorn
16.09. – Stadtbücherei, Neustadt
22.10. – Buchhandlung Buch & Präsent, Voerde
27.10. – KulturForum in der Stadtgalerie, Kiel
04.11. – Kamp-Lintfort, Alpen
10.11. – Stadtbücherei Dachau
Seit seinem Debüterfolg mit dem Roman Wäldchestag im Jahr 2000 ist Andreas Maier häufig unterwegs, um aus seinen Romanen zu lesen. Nur daß er in den letzten ein, zwei Jahren meist, wenn er eingeladen war, auch immer wieder schon aus dem kommenden Onkel J. las. Jedesmal hatte er damit das Publikum im Handumdrehen auf seiner Seite. Umstandslos fand man sich angeschlossen an Maiers Welt aus Wetterau, Familie, Fußball, Apfelwein, aus Thomas Bernhard und dem Evangelium nach Matthäus, aus Ängsten, Kneipenfreuden und -nöten, eingepackt in absurde Vorkommnisse und komische Erlebnisse. Jede Kolumne beginnt mit einem »Neulich«-Satz, die erste so: »Neulich war ich in Berlin. Das wird jetzt niemand weiter ungewöhnlich finden, aber ich bin Hesse, und mir ging in Berlin ein Wunsch in Erfüllung.«
Dennoch handelt es sich um alles andere als ein Kolumnenbuch. Vielmehr nimmt Onkel J. – im Übergang von den ersten vier Romanen zu Maiers Projekt »Ortsumgehung« – eine zentrale Stelle ein. »Alles gehört zusammen, und für alles ist das Kolumnenbuch der Kern.« (Suhrkamp)
27.05. – Opernturm, Frankfurt
15.08. – Burgfestspiele Bad Vilbel
Der Feind im Schatten - Henning Mankell
Da ist er also, der allerletzte Wallander, Band Nummer 10 und Henning Mankells elegische Hommage an seine Hauptfigur. In einem Interview hat der Autor gesagt, dass er vieles an Wallander nicht mag. „Wie er mit Frauen umgeht. Oder mit sich selbst. Er ißt schlecht, er trinkt zuviel und er interessiert sich zuwenig für Politik.“ Immerhin teilen der Autor und seine Schöpfung die Vorliebe für italienische Opern. Mankell nimmt Abschied, indem er den 60-jährigen Wallander über sein Leben sinnieren lässt. Und ihn in eine brisante U-Boot-Affäre aus den 1980er-Jahren stolpern lässt …
Der letzte Fall für Kurt Wallander. 20 Millionen Leser im deutschsprachigen Raum verlieren ihren Lieblingskriminaler.
31.05. – Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich
01.06. – Konzil, Konstanz
03.06. – Volksbühne, Berlin
04.06. – Capitol Theater, Düsseldorf
05.06. – Stadthalle, Braunschweig
Die Kinderfrau - Petros Markaris
Die Kinderfrau. Ein Fall für Kostas Charitos: Was in Istanbul geschah, ist nun viele Jahrzehnte her. Und doch findet die neunzigjährige Kinderfrau keine Ruhe – sie hat noch alte Rechnungen zu begleichen. Kommissar Charitos folgt ihren Spuren: Sie führen nach »Konstantinopel«, in eine Vergangenheit mit zwei Gesichtern – einem schönen und einem hässlichen. (Diogenes)
26.08. – Literaturfest Poetische Quellen, Löhne
22.09. – Mord am Hellweg, Standesamt Bergkamen
Motte Maroni – Angriff der Schrebergartenzombies - Christoph Mauz
Aus der benachbarten Schrebergartensiedlung wummert nachts Musik und Onkel Schurli verschwindet spurlos. Motte und sein Cousin Vladi forschen nach und gehen dem durchgeknallten Garten-Obmann Korschinak in die Falle: Der will mittels Voodoozauber alle Schlamperer dieser Welt zu Zombies machen ... Der Wiener Autor Christoph Mauz mag’s gerne a bisserl schwarzhumorig und skurril – lustig ist der Auftakt seiner neuen Kinderbuchserie allemal. MAK
Ein temporeicher Ferienschmöker für alle, die ein Faible fürs Schräge haben: voller Magie, Slapstick und Gartenzwerge.
10.06. - buch & beet - Der Literaturfrühling, Landesgartenschau Villingen-Schwenningen
Hand aufs Herz - Anthony McCarten
Tom Shrift, Versager, gescheiterte Existenz. Jess Podorowski, Politesse, alleinerziehende Mutter. Matt, Nichtsnutz, von Beruf Sohn und 37 andere Menschen sehen nur einen Ausweg aus ihrer Misere: ihre Hand auf ein Auto zu legen. Sie sind die glücklichen Gewinner der Marketing-Kampagne eines Londoner Autohauses. Wer am längsten die Hand auf dem Auto hält, darf es behalten. Doch keiner hat die Konsequenzen kommen sehen, die mit diesem Lotteriegewinn einhergehen: Tod, Liebe, Leidenschaft und Angst. McCartens tragisch-komische Geschichte wird von Rufus Beck zum Leben erweckt. Aus Wörtern werden Bilder, derer man sich schwer entziehen kann.
Eine bittersüße Geschichte über das Leben, erstaunlich ehrlich und ohne jeden kitschigen Beigeschmack.
05.06. - Museum für Hamburgische Geschichte, Hamburg
Ich kann jeder sagen - Robert Menasse
Diese Frauen sind zum Niederknien: Da ist Mutter Ilka, „die sich sogar beim Kontrollverlust in gewissem Ausmaß zuschauen kann“; die empfindsame Joana reagiert sogar auf Tee allergisch und nennt ihren Mann „mit hysterischer Stimme hysterisch“; aus einer demütigenden Bridget-Jones-Situation entwickelt die Journalistin Nora eine fatale und doch rührende Habgier; und die „doppelte Jungfrau“ Marie-Thérèse ist fest davon überzeugt, „dass zwischen Gut und Böse eine robuste Mauer“ verläuft, „so unüberwindlich wie jene in Berlin“. Doch Wollust, Zorn und andere Todsünden zerstören das Idyll immer wieder: Kinder rächen sich erbarmungslos, aus Unsicherheit wird Judenhass, hinter jedem Schwur steckt ein Betrug, Hochmut zerstört eine wahre Liebe. Jeder Mensch ist ein Abgrund: Eva Menasse beobachtet scharf, wie „Lässliche Todsünden“ zu privaten Weltuntergängen führen.
30.06. – Stadtbücherei, Fellbach
Der einzige Mann auf dem Kontinent - Terézia Mora
Darius Kopp ist nicht nur Genussmensch, sondern zudem unverbesserlicher Optimist. Deshalb lässt er sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als der internationale „Vertrieb für drahtlose Datenkommunikation“, für den er als einziger Europavertreter in Berlin arbeitet, plötzlich nicht mehr erreichbar ist. Erst als ein säumiger Kunde ihm 40 000 Euro in bar in einem Pappkarton hinterlegt und seine eigentlich sehr geduldige Ehefrau mehr Aufmerksamkeit fordert, kommt er ins Grübeln. Wie leicht wäre es gewesen, aus solch einer Figur eine billige Karikatur zu machen – einen kümmerlichen Buhmann für alles, was schief läuft in unserem Wirtschaftssystem. Terézia Mora aber geht es in ihrem zweiten Roman nicht um die großen Krisenzusammenhänge, sondern um den Alltag eines völlig überforderten Jedermanns. Darius Kopp, der sich planlos auf die berufliche und private Katastrophe zubewegt, wird dabei zum unverschämt sympathischen Helden eines bissigen und zugleich sehr warmherzig erzählten Gegenwarts- und Eheromans. Denn nicht zuletzt ist Terézia Moras Tragikomödie aus der Business-Blase das sensible Porträt zweier Liebender, die so charmant, so zärtlich und unaufgesetzt am Abgrund balancieren, dass man es kaum aushalten kann, als sie tatsächlich stürzen.
Bittere Wahrheiten und leiser Humor: Ein wunderschöner Arbeitsweltroman, von dessen liebenswert scheiternden Hauptfiguren man kaum genug bekommen kann.
28.05. - Opernturm, Frankfurt am Main
Möchtegern - Milena Moser
Die ehemalige Besteller-Autorin Mimosa Mein nimmt als Jurorin an der Castingshow „Schreibstar!“ teil. Während Putzfrauen, Postboten oder Buchhalter ihre literarischen Ambitionen offenbaren, stellen die Wechseljahre, ein Schlagersänger und ein tot geglaubter Skandalautor den Alltag der Schriftstellerin auf den Kopf. Mit ihrer Schöpferin teilt Mimosa Mein nicht nur die Initialen, sondern auch die Zuneigung zu den Möchtegerns. Trotz zahlreichen satirischen Versatzstücken – der Über-Kritikerin „Schlüpfer“ oder den Friseur-Aufzeichnungen „Deine Haare, Dein Leben“– gerät der mehrstimmige Roman nie zur Farce. Im Gegenteil: Milena Moser erzählt von der heilenden Kraft des Schreibens – mitsamt Übungsteil.
Die Castingshow als Ausgangspunkt für die Selbsterkenntnis: Hintergründiger Lesestoff zwischen Realsatire und Lebenshilfe.
21.05. – Odeon, Brugg
27.05. – Bibliothek, Hittnau
28.05. – Bibliothek, Uitikon
01.07. – Literaturfestival , Leukerbad
24.10. – Zähnteschüür Herbstausstellung, Oberrohrdorf
29.10. – Kulturkommission Gebenstorf
N-P
Das siamesische Klavier. Unheimliche Geschichten - Christiane Neudecker
Ein harmloses Mädchenspiel, das außer Kontrolle gerät, ein Schatten, der sich verselbständigt, eine fehlgeleitete SMS mit mehr als kuriosen Folgen, eine Online-Schachpartie mit einem Toten: Christiane Neudecker erzählt in ihren skurril-makaberen Geschichten von äußerst seltsamen Dingen und zeigt, dass klassische Gruselmotive auch in der Gegenwart Bestand haben. Verschwimmende Grenzen, beunruhigende Seelenzustände, Sicherheiten, die auf den Kopf gestellt werden – der Gänsehautfaktor dieser Stories rührt weniger von plakativen Begegnungen mit dem Leibhaftigen, sondern entfaltet sich sehr hintergründig über Ahnungen und Erwartungen. Feinsinniger Nervenkitzel.
Mehr überraschend als düster: Diese modernen Gruselstories spielen mit Realitäten und erzeugen subtilen Thrill.
06.06. – Theatermuseum, Hofgarten, Düsseldorf
15.08. – Kuno e.V., Nürnberg
Flughafenfische - Angelika Overath
Rastlose, übermüdete Einsamkeit prallt an der stillen Schönheit eines Korallenriffs ab. Fotografin Elis hält das Aquarium zunächst für eine Halluzination, später kommt sie beinahe dessen Hüter näher, während am anderen Ende des Flughafens ein namenloser Mann versucht, das Ende seiner Ehe zu begreifen. Eine Absurdität, die trotzdem im Bereich des Möglichen liegt, hat Angelika Overath als Ausgangspunkt ihres zweiten Romans gewählt: Mitten im Wartebereich eines Flughafens steht ein riesiges Aquarium, ein Techniker ist ständig damit beschäftigt, es zu warten. Mit Engelsgeduld züchtet er Seepferdchen, während um ihn herum alles zerfällt. Das könnte bei diesem Sujet auch dem Roman passieren, doch Overath weiß ihn zusammenzuhalten. Herrlich flüssig liest sich das, weil jedes Wort sitzt, passt und keineswegs wackelt oder Luft hat. Während der Arbeit an diesem Buch wurde Angelika Overath 2006 nach Klagenfurt eingeladen. Sie las den Ausschnitt „Aquarium“ beim Bachmann-Wettbewerb, gewann den Ernst-Wilner-Preis und verschwand wieder aus den Medien. Overath entwickelt ihre Geschichten eben in Ruhe. Auch in ihrem anderen Beruf als Reporterin nimmt sie sich viel Zeit, um Menschen zu beobachten. Das journalistische Handwerkszeug nutzt sie, um Figuren und Details zu erfinden, die eine Geschichte tragen können.
Einsamkeit im Flughafentransit: Angelika Overath lenkt den Blick in die künstliche Welt eines Aquariums, das Seelen spiegelt.
20.05. – St. Gervais etage club, Biel
Jenseitsnovelle - Matthias Politycki
„Wie lange sie hier wohl schon saß und auf ihn wartete und tot war?“, überlegt der 60-jährige Schepp. Ein Mann wacht morgens auf, und seine Geliebte ist über Nacht gestorben. Aus diesem Skandalon schuf Javier Marías in „Morgen in der Schlacht denk an mich“ einen magischen Romananfang. Dass es auch banaler geht, beweist Matthias Politycki. Schepp findet seine tote Gattin im Arbeitszimmer, über ihren unvollendeten Abschiedsbrief gebeugt. Ihre letzten Worte sind weniger rührend als erwartet, tatsächlich wird Schepp gründlich demontiert und sein viel zu oft verletzendes Wesen infrage gestellt. „Ungeliebte Frauen sind eifersüchtig.“ Das weiß Schepp, das weiß Politycki. So weise ist der Text leider viel zu selten.
„Voller Ehrfurcht atmete Schepp den Geruch des Todes.“ Das soll weise klingen – aber diese Demontage eines Mannes ist banal.
27.05. – Schloss Moyland, Bedburg-Hau
11.06. – German School London
Die Welt ist im Kopf - Christoph Poschenrieder
Genug studiert – nun will er leben: Eine monatelange Reise führt den jungen Arthur Schopenhauer von Dresden nach Venedig, von Goethe zu Lord Byron, über schroffes Gebirge und weite Täler ins Labyrinth der Kanäle, in den Strudel der Wirklichkeit – und zu Teresa. Sie zeigt dem jungen Philosophen, dass er einen Punkt seiner Weltsicht noch einmal überprüfen muss: sein Konzept der Liebe. Arthur Schopenhauer tritt uns in diesem Roman ganz anders entgegen, als wir ihn uns gemeinhin vorstellen. Christoph Poschenrieder zeichnet ihn als verliebten jungen Mann, als unbekannten Begründer einer Philosophie, die in ihrer Sinnlichkeit überrascht. Ein Debüt voller Witz und beeindruckendem Sprachgefühl. (Diogenes)
10.06. – Große Berliner Büchernacht, Kulturbrauerei
02.-04.07. – 15. Literaturfestival Leukerbad
08.09. – Sprudelhof (Badehaus 2), Bad Nauheim
26.09. – Kirchzartener Bücherstube, Kirchzarten
28.09. – Buchhandlung Riemann, Coburg
Q-S
Der Kaiser von China - Tilman Rammstedt
Keith Stapperpfennigs Opa ist ein Scheusal. Ständig ist er schlecht gelaunt. Stets sind die anderen schuld. Meistens seine fünf Enkelkinder, die bei ihm aufwuchsen. Trotzdem schenken die ihm zum 80. eine gemeinsame Reise, deren Ziel er bestimmen darf. Opa entscheidet sich für China, und plötzlich hat niemand mehr Zeit – außer Keith. Der aber hat keine Lust. Also setzt sich Opa alleine ins Auto, während Keith sich unterm Schreibtisch verkriecht und so tut, als ob er mitgefahren wäre. Doch dann stirbt Opa im Westerwald – und Keith beschließt, die Reise doch noch anzutreten. In seiner Fantasie. In langen Briefen berichtet er von Abenteuern in einem Land, in das er nie einen Fuß gesetzt hat. Eine geniale Idee, aus der Tilman Rammstedt, der für den Roman den Bachmannpreis erhielt, ein buntes, bisweilen etwas karnevalestisches Chinagemälde entwickelt. Dafür entschädigt das ironische Porträt des schrulligen Opas.
23.11. – Alte Sparkasse, Heppenheim
Und im Zweifel für dich selbst - Elisabeth Rank
Als Lenes Freund Tim bei einem Autounfall stirbt, bricht die Existenz von Lene und Tonia in Stücke. Berlin, Prüfungen, Partys - nichts in ihrem Leben ist bislang besonders schwerwiegend gewesen. »Nutze den Tag« war nur ein hübscher Spruch in Schönschrift. Als sie plötzlich mit einem schrecklichen Verlust klarkommen müssen, setzen sie sich ins Auto und fahren los, erst mal nur weg, kreuz und quer durchs sommerlich heiße Mecklenburg, Hauptsache nicht zurück, denn zu Hause wird alles anders sein. Doch am Meer geht es nicht mehr weiter, und Tonia, die Erzählerin, begreift: So sehr man glaubt, die Welt bleibt stehen, es geht immer weiter. Für die anderen, die noch da sind. Für die neue Liebe. Und im Zweifel für sich selbst.
Elisabeth Ranks literarisches Debüt ist ein Generationenporträt und der Roman eines Lebensgefühls: die Geschichte der ersten echten Krise im Erwachsenenleben, erzählt als Roadstory.
29.05. – Sophiensaele, Berlin
12.06. – Autoren-Lounge (Linienstraße 127), Berlin
Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel - Moritz Rinke
Als Dramatiker („Republik Vineta“, „Die Nibelungen“) erhielt Moritz Rinke Lob und Preise, und weil Gerhard Schröder „den kleinen Prinzen“ des deutschen Theaters“ zu sich einlud, wurde er als „Kanzlers Liebling“ verspottet. Auch sein erster Roman beginnt in der Hauptstadt, mit einem erfolglosen Galeristen. Doch dann muss Paul Wendland nach Hause, in die Künstlerkolonie Worpswede: Das Haus seines Großvaters, eines Bildhauers, droht im Moor zu versinken, und mit ihm die gewaltigen Statuen, die er schuf. Und das, wo er gerade zum „Künstler des Jahrhunderts“ gekürt wurde! Mit überbordender Lust an tragikomischen Szenen erzählt Rinke eine Provinzposse, hinter der sich ein Geschichtsdrama verbirgt. Zum Versinken witzig!
20.05. – Buchstäblich, Lilienthal
Das Geheimnis des Kalligraphen - Rafik Schami
Gerüchte verbreiten sich schnell auf den Märkten des Orients. Und das Gerücht, das an diesem Aprilmorgen des Jahres 1957 wie ein aufgescheuchter Insektenschwarm durch die Altstadt von Damaskus schwirrt, ist unerhört: Nura, die Frau des angesehen Kalligraphen Hamid Farsi, hat ihren Mann verlassen. Rafik Schamis neuer Roman beginnt damit, womit er auch endet. Und auf den rund 450 Seiten zwischendrin entfaltet der gebürtige Syrer die ganze Geschichte, genauer gesagt, einen ganzen Pulk von Geschichten. Er erzählt von Farsi, den der Wunsch treibt, die arabische Schrift zu reformieren, von Nura, die nicht nur auf das Führen des Haushalts reduziert sein will, und von dem jungen Christen Salman, der Nura das zu geben vermag, was sie zu Hause vermisst. Detailreich und bildhaft gewährt er Einblicke in einen orientalischen Kosmos wie aus 1001 Nacht, ohne dabei gesellschaftliche Probleme aus den Augen zu lassen. Ein echter Schami eben.
27.05. – Citykirche Alter Markt, Mönchengladbach
30.05. – Salzburger Nachrichten, Salzburg
Die Studentin. Der dritte Fall für den Frisör - Christian Schünemann
Eine Leiche stört die Ruhe der Geisteswissenschaften – es ist mords was los an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität! Ein neuer Fall für Tomas Prinz, den Münchner Starfrisör und Detektiv wider Willen. (Diogenes)
23.-26.07. – Tellenhaus, Querlesen, Ernen
30.09. – Friseursalon Hoffmann, Mord am Hellweg, Gladbeck
Die Akte Rosenherz - Jan Seghers
Zwei bewaffnete Motorradfahrer überfallen einen Kunsttransport, in dem sich Kommissar Robert Marthalers schwangere Freundin Tereza befindet. Ein Wachmann wird getötet, Tereza kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Marthaler schäumt vor Wut und will ermitteln, doch die Kollegen bremsen ihn aus: Befangenheit. Dann bekommt er den Tipp, der Kunstraub habe etwas mit dem Mord an der Prostituierten Karin Rosenherz in den sechziger Jahren zu tun. In der „Akte Rosenherz“ gräbt Marthaler tatsächlich nicht nur Hinweise aus, sondern eine ganze Menge polizeiinternen Pfusch … Jan Seghers hat einen realen Fall verarbeitet: den ungeklärten Mord an der Prostituierten Helga Matura 1966 in Frankfurt. Spannend, lebt vom präzisen Lokalkolorit.
Nervenkitzlige Zeitreise durch Frankfurter Milieus. Seghers ist der Präzisionshandwerker des deutschen Kriminalromans.
27.05. – Stadtteilbibliothek Bornheim, Frankfurt
09.06. – Buchhandlung DAS BUCH, Alzenau
18.06. – Stadtbücherei, Nidderau
20.06. – Burgfestspiele Bad Vilbel
24.06. – Obsthof Schuhmann, Ladenburg
Der kleine Drache Kokosnuss - Ingo Siegner
Kokosnuss ist ein kleiner, aber sehr mutiger Feuerdrache, der mit seinen Eltern auf einer bisher unentdeckten Dracheninsel lebt. Gemeinsam mit seinen Freunden, dem Stachelschwein Matilda und Amadeus, dem Meerdrachen, erlebt er viele Abenteuer. Richtig brenzlig wird es allerdings, als das Trio es mit echten Piraten zu tun bekommt. Schließlich stecken die gefährlichen Burschen mit einem bösen Zauberer unter einer Decke. Jetzt kann eigentlich nur noch eine helfen: die Hexe Rubinia … Lauschen, Staunen, Schmunzeln – denn der schlaue, kleine Kokosnuss hat immer einen rettenden Einfall.
28.05. – Käptn Book, Olsberg
31.05. – Lagerhalle, Osnabrück
02.06. – Bibliothek Verl
04.06. – Kinderbibliothek, Paderborn
04.06. – Bibliothek Elsen in der Gesamtschule, Paderborn
11.06. – Vaihinger Buchladen, Stuttgart
21.06. – Stadtbücherei, Neu-Isenburg
22.06. – Stadtbibliothek, Oberursel
22.06. – Stadt- und Schulbibliothek Kelsterbach
24.06. – Nimmerland Susanne Lux, Mainz
12.09. – Thalia Buchhandlung der Grüttefien, Cloppenburg
27.11. – Buchhandlung A. Oberhellmann, Lengerich
Wie der Soldat das Grammofon repariert - Saša Stanišic
»Die wertvollste Gabe ist die Erfindung, der größte Reichtum die Fantasie«, sagt Opa Slavko am Morgen seines Todes in der bosnischen Stadt Visegrad zu Aleksandar, seinem Enkel. Er schenkt ihm einen selbst geschnitzten Zauberstab, einen sternverzierten Zauberhut und die Worte: »Denk dir die Welt schöner aus.« Das ist nicht leicht, denn der Krieg naht und zerstört Aleksandars Kindheit, seine Welt in Visegrad: »Alles Abgeschlossene und jeder Tod kommen mir unnötig und unglücklich und unverdient vor. Sommer werden Herbst, Häuser werden abgerissen und Menschen auf den Fotos werden Fotos auf den Grabsteinen.« Ein Riss durchzieht das Land und auch den jungen Aleksandar: »Ich bin ein Gemisch. Ich bin Halbhalb. Ich bin Jugoslawe - ich zerfalle also.« Gerne wäre er etwas Eindeutigeres oder Erfundenes. Als Aleksandar und seine Familie nach Deutschland fliehen, ist es allein die Erfindung, die sein Leben, seine Zerrissenheit und Sehnsucht erträglich macht, die ihm hilft, die Kriegserfahrungen zu verdrängen, sich eine Heimat zu erzählen. In der Fremde erinnert er sich an Asija, das schöne Mädchen mit dem hellen Haar, dessen Nachnamen er nicht kennt, an die kreischende Tante Taifun, die nervige kleine Natasa, den brüllenden Kamenko, der das Pflaumenfest unterbricht. Als der erwachsene Aleksandar in seine Heimat zurückkehrt, erkennt er in der Nachkriegsrealität, dass sein Visegrad nunmehr nur noch als Zauberbild in seinem Kopf existiert, oder nur dort existiert hat. Das erzählt Stanišic in einer Sprache, die verzaubert.
28.05. – MS Rhenus, Brücke 4, Bingen
Kubu und der Tote in der Wüste - Michael Stanley
Botswana zeigt das (vergleichsweise) heitere Gesicht des Schwarzen Kontinents: politisch stabil, wirtschaftlich aufstrebend, mit einem funktionierenden Justizsystem. Nahezu gemächlich darf David „Kubu“ Bengu von der Kripo der Hauptstadt Gabarone den vertrackten Fall lösen, in dem es um Diamanten geht, um Tote, die sprechen können und um den Zerfall einer Edelstein-Dynastie. „Kubu“ heißt Flusspferd und so stapft der mit diesem Spitznamen ausgestattete füllige Superintendent den Tätern nach, regelmäßig abgelenkt von diversen Mahlzeiten, die er mit ausgesuchten südafrikanischen Weinen hinunterspült – endlich wieder ein Normalo-Bulle.
Stanley: Pseudonym eines Autorenduos. Kubu: Ein schwarzer Maigret, bürgerlich, gewieft, nur ohne Pfeife.
28.05. – Literarischer Salon Villa Orange, Frankfurt
Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens - Angela Steidele
Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer – und die »Rheingräfin« Sibylle Mertens-Schaaffhausen verband eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Seit 1828 waren sie ein Paar: »am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen«, schrieb Adele ihrer Freundin Ottilie von Goethe. (...) Anhand vieler bisher unveröffentlichter Quellen erzählt Angela Steidele die Geschichte zweier ungewöhnlicher Frauen: Pionierinnen, die in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt in ihrem Privatleben Grenzen einrissen – zu einer Zeit, als es Liebe zwischen Frauen offiziell gar nicht geben durfte.(Suhrkamp)
06.10. – Literaturhaus Magdeburg
T-V
Doktor Phil - Philipp Tingler
Der neue Roman von Philipp Tingler erzählt von einem Schriftsteller, der dem Teufel begegnet und sich mit ihm auf einen Pakt einlässt. Auf Probe. Was nicht heißt, dass daraus nicht blutiger Ernst werden kann.
Oskar Canow scheint als Schriftsteller ein Leben auf der Sonnenseite zu führen: Bücher, die sich gut verkaufen, Kolumnen in Hochglanzmagazinen, Freunde aus den besten Kreisen, eine bezaubernde, verständnisvolle Ehefrau aus England und ein Zuhause, das für Stilbeilagen fotografiert wird. Das alles ist ihm nicht zugeflogen, vielmehr aus Pflicht und Leistung geboren. Er glaubt an den lieben Gott und an die gute Form. Deswegen bietet er Käsebällchen an, als unversehens der Teufel an der Tür klingelt, um ihm ein Geschäft vorzuschlagen. Oskar lässt sich auf einen Pakt auf Probe ein. Und schon bricht die Hölle los. Von Unterwäschemodenschauen und wilden Autofahrten über einen Hosenkauf mit dem Herrn der Finsternis bis zur Herzattacke auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses – dieser Roman ist temporeich, opulent, dramatisch und bisweilen umwerfend komisch. (Kein & Aber)
20.05. – Orell Füssli Krauthammer, Zürich
Die Rückkehr - Galsan Tschinag
Vermischt mit bewegenden Traum- und Erinnerungsbildern erzählt der Schamane Galsan Tschinag aus seinem Leben und von der Heimkehr zu seinem Volk der Tuwa-Nomaden. Der Anfang der 1940er-Jahre im westmongolischen Altai geborene Autor studierte in Leipzig Germanistik und begann das Schreiben in deutscher Sprache. Ein Lastwagen hat ihn mit Frau, Enkelsohn und dem gesamten Hausstand durch die Mongolei an einen Fluss gebracht, wo ihn nach Tagen des Wartens eine Karawane abholt. Doch in die Freude mischen sich düstere Ahnungen und Sorgen. Der alte Schamane wird krank. Aber wie könnte er sterben, ohne sein Wissen an den Enkel weitergegeben zu haben? „Ich bin das Lehrbuch, das er sich anzueignen hat, und sein großer weißer Berg, in dessen Windschutz und Lichtschein er zum Manne reifen muss.“ Doch Tschinag berichtet auch von Heilung und vom Weg seines Volkes in eine schwierige Zukunft.
20.05. – Tibetisch Buddhistisches Zentrum, Kirchheim
21.05. – St. Josefshaus, Konferenzraum, Rheinfelden-Herten
27.05. – Stadtbibliothek, Meran
W-Z
Grand Cru - Martin Walker
In vino veritas? Ja, aber manchmal ist die Wahrheit gut versteckt. Kaum jemand weiß es: Das Périgord ist nicht nur ein Gourmet-Paradies, sondern auch ein phantastischer Boden für Spitzenweine. Der kalifornische Weinunternehmer Bondino ahnt es, und er hat große Pläne: Er will das ganze Tal aufkaufen und verspricht, dem Périgord seinen einstigen Rang als Heimat von Grands Crus zurückzugeben – unter gewissen Bedingungen. Saint-Denis hat die Qual der Wahl – beschauliche Idylle bleiben oder Sitz einer modernen Weinindustrie werden, mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Der Streit darüber ist erbittert, und sogar die alte Freundschaft von Bruno, Chef de police, und dem Bürgermeister droht darüber zu zerbrechen. Als eine Leiche in einem Weinfass gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse. (Diogenes)
28.05. – Thalia-Buchhandlung, Krefeld
29.05. – Spei'rer Buchladen, Speyer
30.05. – Restaurant Ludwig, Mosbach
31.05. – Under-Cover, Stuttgart
01.06. – Buchhandlung Karl Meyer, Weissenburg
03.06. – Buchhandlung Leuenhagen & Paris, Hannover
04.06. – Die andere Buchhandlung, Rostock
29.09. – Literaturhaus Hamburg
Luft und Liebe - Anne Weber
Oberflächlich betrachtet erzählt Anne Weber dem Leser eine Liebestragödie. Doch der stellt sich bald einige Fragen: Wie konnte das Begehren überhaupt entstehen (denn die Gefühle für den Angehimmelten sind schwer nachvollziehbar)? Wer spricht mich da eigentlich an (denn die Autorin wechselt verwirrend oft die Perspektiven)? Und ist das wirklich ein Roman (denn vieles erscheint wie autobiografische Notizen)? Weber spielt mit der Sprache, und dabei entstehen elegante Bilder und Wortgeschöpfe, allerdings auch manche Manierismen. Das eigentlich interessante Thema des Buchs, die Rolle von Kinderwunsch, „biologischer Uhr“ und „Hoffnungsmedizin“ für eine Beziehung, wird dagegen ziemlich verschenkt.
Nix für Freunde von „Handlungsliteratur“. Wer Bücher dagegen vor allem wegen ihres Stils schätzt, wird hier fündig.
18.06. – Privathaus und Garten, Köln-Sürth
17.10. – Schauspiel Stuttgart
Never Alone - Ute Wegmann
Johann, Nick, Marc und Florian sind 15 Jahre alt und unzertrennliche Freunde. Sie alle haben ähnliche Probleme: So hat keiner einen Vater, wie er ihn sich wünscht! Alle männlichen Erziehungsberichtigen haben nie Zeit oder sind erst gar nicht ansprechbar. Hinzu kommt noch das Thema, das alle männlichen Jugendlichen beschäftigt: Wer wird als erster aus ihrem Kreis mit einem Mädchen Sex haben? Die Suche nach dem Glückt liegt irgendwo zwischen dem ersten Sex, wahrer Liebe und noch irgendetwas dazwischen. Der Roman erzählt von Liebe, dem damit verbundenen Kummer und anderen alterstypischen Problemen – und das nie platt, kitschig oder unrealistisch. In einer Reihe schwieriger Situationen zeigt sich, was die Freundschaft den vier Jungen wirklich bedeutet. Ute Wegmann ist eine durchweg spannende und glaubwürdige Geschichte gelungen, die in Sachen Liebe einmal besonders Jungen ansprechen wird.
26.05. – Literaturhaus Villa Clementine
Herr Adamson - Urs Widmer
Es ist Freitag, der 22. Mai 2032. Einen Tag nach seinem vierundneunzigsten Geburtstag sitzt ein Mann in einem üppig blühenden Garten – es ist der Paradiesgarten seiner Kindheit –, neben sich einen Rekorder, und spricht seine Geschichte mit Herrn Adamson auf Band. (Diogenes)
27.05. – Stadtbibliothek / Kunstraum Baden
28.05. – republic, 3. Salzburger Literaturfest
07.06. – buch & beet - Der Literaturfrühling, Villingen-Schwenningen
15.06. – Jundthuus, Gelterkinden
22.06. – Romanfabrik, Frankfurt am Main
25.06. – Museum Lindwurm, Stein am Rhein
02.07. – Hotel Bellevue, Literaturtage Braunwald
15.09. – Gemeindebibliothek, Horgen
07.10. – Kulturraum Thalwil
Abgründe - Josef Wilfling
Josef Wilfling gilt als Kripo-Legende, nicht nur, weil er die Mordfälle Sedlmayr und Moshammer gelöst hat. In seiner über 40-jährigen Dienstzeit betrug seine Aufklärungsquote fast 100 Prozent, wirbt sein Verlag. Jetzt erzählt der 63-Jährige von seinen schillerndsten Fällen. Unverstellt schildert er, wie Menschen aus Habgier, Grausamkeit oder schierer Mordlust zu Bestien werden. Wie Sedar M., der im Kapitel „Mordlust“ einfach nur irgendwen „aufschlitzen“ will. Das liest sich spannender als ein Krimi und oft widerwärtiger als ein Splatter-Movie. Dabei gibt sich Wilfling politisch unkorrekt; seinen Frust über eine vermeintlich lasche Rechtsprechung hält er nicht zurück.
Ein Ermittler-Idol packt aus: Selten bekommt man derart hautnahe Einblicke in die Arbeit eines Kriminalen. Respekt!
20.05. – Institut für Rechtsmedizin, München
08.06. – Theater Chambinsky, Würzburg
17.06. – Buchhandlung Isartal, Ebenhausen
16.10. – Raiffeisenbank im Oberland, Miesbach
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