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Reportage: Christian Bärmann (bär) | Fotos: Uwe Tölle

Besuch bei Illustratorin Katrin Engelking

„Zweimal umrühren – fertig ist die neue Pippi“

Die Illustratorin Katrin Engelking hatte die Ehre, gleich zweimal eine neue Version von Astrid Lindgrens bekanntester Figur, Pippi Langstrumpf, malen zu dürfen. Wir haben die Künstlerin in ihrem Atelier in Hamburg-Blankenese besucht.

„Möchten Sie Astrid Lindgren kennen lernen?“, wurde Katrin Engelking auf einem Empfang des Oetinger-Verlags 1996 in Hamburg gefragt. Was für eine Frage. „Ich dachte, ich könne sie höchstens mal aus der Ferne sehen“, erinnert sich die Illustratorin, die der weltberühmten, damals 91-jährigen Autorin vorgestellt wurde. Eine Begegnung, die sie nie vergessen werde. „Astrid Lindgren hat sich interessiert nach meiner Arbeit erkundigt, die ganze Zeit meine Hände in den ihren gehalten und mir am Ende viel Liebe und Gesundheit gewünscht“, erzählt Engelking, in deren täglicher Arbeit Astrid Lindgren eine große Rolle spielt. Denn seit 1999 gehört sie zu den wenigen lllustratoren, die Geschichten der schwedischen Autorin bebildern dürfen. Mit zunächst kleinen Geschichten wie „Kindertag in Bullerbü“ oder dem eher unbekannten Buch „Polly hilft der Großmutter“ machte sich die Hamburgerin einen Namen, weil sie den schönen Worten Lindgrens ebensolche Bilder gab. 2001 folgte der erste Kontakt mit der Lindgren-Ikone schlechthin: Pippi Langstrumpf. Für eine Anthologie sollte sie „Pippi plündert den Weihnachtsbaum“ illustrieren. „Oha, das war ein langer Prozess“, erinnert sich die zweifache Mutter, die seit 1994 als freie Illustratorin für verschiedene Kinderbuchverlage (Oetinger, Ravensburger, Hanser, Fischer, Rowohlt) tätig ist. „Ich habe unglaublich viele Skizzen angefertigt, bis Pippi dann tatsächlich entstand.“

  • Von der Zeichnung zum gemalten Bild: Katrin Engelking erweckt Pippi Langstrumpf mit Pinsel und Acrylfarben zum Leben.

Die Ehre sei groß, aber auch Verantwortung enorm. Generationen von Kindern sind mit den Pippi-Büchern aufgewachsen und haben ihr eigenes Bild im Kopf. Ganz zu schweigen von den Filmen, in denen Inger Nilsson das Pippi Langstrumpf-Bild prägte. Als „ihre“ Pippi dann endlich fertig war, war Engelking „glücklich und gleichzeitig überrascht“, als die schwedischen Verwandten von Astrid Lindgren ihrer Version den Segen gaben. Im vergangenen Jahr erhielt sie den Auftrag, die Neuauflagen der Pippi Langstrumpf-Bücher erneut zu illustrieren. „Alle Figuren mussten noch mal durch eine Art Casting beim Oetinger Verlag“, beschreibt die 37-Jährige den Prozess. Lange habe sie überlegt, ob man Pippi Langstrumpf doch mal anders zeichnen und den Stil ändern sollte, aber letztlich sei sie zu dem Schluss gekommen, mit dieser Ikone nicht zu experimenteren. Im Grunde habe Astrid Lindgren Pippi so genau beschrieben, dass man eigentlich nichts falsch machen könne. So sei das Malen wie ein einfaches Kochrezept gewesen: „Man nehme die Pippi, so wie ich sie immer schon im Kopf hatte, und die Pippi, die Lindgren beschreibt, rühre das Ganze zweimal um – und fertig ist die ‚neue’ Pippi.“

  • Alle Illustrationen von Katrin Engelking entstehen in ihrem kleinen Atelier in Hamburg-Blankenese

Knapp 50 neue, erstmals farbige Acryl-Zeichungen sind für die Neuauflagen von „Pippi Langstrumpf“ (auch als neue Hörbuchfassung, gelesen von Heike Makatsch, erhältlich) und „Pippi Langstrumpf geht an Bord“ in ihrem Atelier in Blankenese entstanden. Acrylfarbe, erklärt sie, sei dafür für perfekt: „Farbenfroh, leuchtstark und stimmungsvoll.“ Doch als die Bücher im Druck waren, wurde Katrin Engelking trotz ihres Geheimrezepts schrecklich nervös. „Ich dachte, jetzt hagelt es Kritik“, fürchtete sie. Stattdessen habe es dann für die „frische, fröhliche und Gott-sei-Dank-nicht-zu-andere-Pippi“ viel Lob gegeben. Frisch und fröhlich, davon wäre sicher auch Astrid Lindgren begeistert gewesen.

www.katrin-engelking.de

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