Ai Weiwei: Die Chronik eines unbequemen Lebens
Diese aktualisierte Monografie aus dem TASCHEN-Verlag liest sich wie ein Archiv der Gegenwart, erzählt aus der Perspektive eines Künstlers, der sich nie mit der Rolle des Beobachters zufrieden gegeben hat. Ai Weiweis Werk ist seit jeher Zeugenschaft: von Machtmissbrauch und staatlicher Gewalt, aber auch von individueller Würde und Beharrlichkeit. Das Buch spannt den Bogen von den frühen New-York-Jahren in den 1980ern – geprägt von Duchamp, Punk und politischer Ernüchterung – bis zu den jüngsten, in Europa entstandenen Arbeiten über Freiheit, Flucht und Menschenrechte.
Aktivismus, der Form annimmt
Was diese Monografie eindrücklich zeigt: Bei Ai Weiwei ist Aktivismus keine Begleiterscheinung der Kunst, sondern ihre eigentliche Form. Ob die 1001 chinesischen Bürger auf der Documenta 12, die Millionen Porzellan-Sonnenblumenkerne in der Tate Modern oder die Schulranzen-Installation zum Erdbeben von Sichuan – immer geht es um das Sichtbarmachen von Geschichten, die sonst verdrängt werden. Die jüngsten Arbeiten, von Spielzeugstein-Mosaiken bis zu Filmen und Installationen in Europa, setzen diese Linie fort, leiser vielleicht, aber nicht weniger präzise.
Ein Buch als historisches Dokument
Bemerkenswert ist auch die Entstehungsgeschichte des Bandes selbst. Ursprünglich konzipiert, als Ai Weiwei noch in China festgehalten wurde, wird die Monografie nun vom selben Team fortgeschrieben. Unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Atelier, von Aktionen und Arbeitsprozessen, macht das Buch zu mehr als einer Werkschau: Es wird zum Zeitdokument. Die exklusiven Statements des Künstlers wirken dabei weniger erklärend als insistierend – Fragen statt Antworten.
Stimmen der Weggefährten
Die Essays von Roger M. Buergel, Alfred Weidinger und Uli Sigg fügen dem Bild unterschiedliche Perspektiven hinzu: analytisch, historisch, persönlich. Besonders Siggs Beitrag zeigt Ai Weiwei nicht als Ikone, sondern als widersprüchlichen, manchmal unbequemen Menschen – und darin liegt auch seine Bedeutung. Diese Monografie hält Ai Weiwei aus – in all seiner Konsequenz. Und das ist vielleicht ihre größte Stärke.
Mehr Infos: https://www.taschen.com/de/books/art/43973/ai-weiwei-40th-ed/




