Das leise Rückgrat der Wirtschaft
In einer Phase globaler Verunsicherung, in der Lieferketten brüchig, politische Gewissheiten fragil und Geschäftsmodelle kurzatmiger werden, rückt das bei Prestel erschienene Buch "The Secrets of German Family Businesses” einen Unternehmenstypus ins Zentrum, der auf Langfristigkeit gebaut ist: das Familienunternehmen. Als ernst zu nehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft.
Zwischen Verantwortung und Rendite
Was dieses Buch von vielen wirtschaftsjournalistischen Veröffentlichungen unterscheidet, ist sein Ton. “The Secrets of German Family Businesses” argumentiert in Zusammenhängen. In Essays von Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis wird deutlich, dass Familienunternehmen einem anderen inneren Kompass folgen. Verantwortung ist hier kein CSR-Label, sondern Teil der Eigentümerlogik. Entscheidungen werden nicht nur für das nächste Quartal getroffen, sondern für Generationen. Diese Perspektive wirkt beinahe kontrakulturell in einer Zeit, in der Skalierung, Exit-Strategien und kurzfristige Bewertungen den Diskurs dominieren.
Das Buch romantisiert diese Haltung nicht, sondern zeigt auch ihre Spannungsfelder: die Konflikte zwischen Tradition und Transformation, zwischen familiärer Nähe und professioneller Distanz, zwischen emotionaler Bindung und harter wirtschaftlicher Realität.
Die Kraft der konkreten Geschichten
Besonders überzeugend sind die Porträts von 50 deutschen Familienunternehmen. Sie bilden das Herzstück des Buches. Vom traditionsreichen Mittelständler bis zum global agierenden Hidden Champion entfaltet sich ein Panorama unternehmerischer Lebensläufe, das in seiner Vielfalt beeindruckt. Hier wird sichtbar, wie unterschiedlich Familienunternehmen sein können – und wie ähnlich sie sich in ihren Grundwerten oft sind. Diese Porträts erzählen von Brüchen, von Fehlentscheidungen, von mühsamen Übergaben zwischen Generationen. Gerade darin liegt ihre journalistische Stärke. Erfolg erscheint nicht als linearer Aufstieg, sondern als Ergebnis von Beharrlichkeit, Lernfähigkeit und einer tiefen Verwurzelung im eigenen Tun.
Werte als wirtschaftlicher Faktor
Ein zentrales Motiv des Buches ist der Begriff der Werte – ein Wort, das im wirtschaftlichen Kontext schnell abstrakt wird. Hier jedoch erhält es Substanz. Werte zeigen sich in der Loyalität gegenüber Mitarbeitenden, in der Verantwortung für Regionen, in der Bereitschaft, Innovation nicht gegen, sondern aus der Tradition heraus zu entwickeln.
Das Buch macht deutlich, dass diese Haltung kein sentimentales Beiwerk ist, sondern ein handfester Wettbewerbsfaktor. Vertrauen, Qualität und technische Exzellenz – jene Eigenschaften, für die deutsche Familienunternehmen international geschätzt werden – sind das Ergebnis langfristiger Beziehungen und klarer Prinzipien. In einer globalisierten Wirtschaft, die zunehmend auf Verlässlichkeit angewiesen ist, wird diese Haltung zur strategischen Ressource.




