Ein Museum rund um das Erzählen
Mit dem zweibändigen Schuberwerk Lucas Museum of Narrative Art setzt TASCHEN einem außergewöhnlichen Kulturprojekt ein buchgestalterisches Denkmal. Die opulente Edition widmet sich dem Museum, das von George Lucas und Mellody Hobson in Los Angeles gegründet wurde und sich der narrativen Kunst verschreibt: Bildern und Objekten also, die Geschichten erzählen, Erinnerung stiften und gesellschaftliche Vorstellungen prägen. Auf 832 Seiten entfaltet sich ein Panorama, das Kunstgeschichte nach klassischen Gattungsgrenzen sortiert und nach der Kraft des Erzählens.
Die Kunst der Geschichte
Im Mittelpunkt steht eine Sammlung, deren Spannweite den etablierten Kanon bewusst erweitert. Malerei, Illustration, Fotografie, Comic- und Buchkunst, Filmkonzepte sowie populäre Bildwelten begegnen einander auf Augenhöhe. Damit folgt das Lucas Museum einer ebenso einfachen wie überzeugenden Idee: Narrative Bilder gehören zur visuellen Allgemeinbildung – unabhängig davon, ob sie für eine Galerie, eine Zeitschrift, ein Kino oder ein Kinderbuch entstanden sind. Das Werk macht diese Haltung anschaulich. Es führt vor, wie Bilder Figuren formen, historische Erfahrungen vermitteln und emotionale Nähe herstellen. Gerade die Verbindung von vermeintlich „hoher“ Kunst und visueller Populärkultur ist dabei der eigentliche Reiz. Illustrationen und Comicbilder erscheinen als präzise komponierte Erzählformen. Sie stehen gleichwertig neben Gemälden und Fotografien.
Zwei Coffee-Table-Books mit Gewicht
Schon die äußere Erscheinung unterstreicht den Anspruch dieser Ausgabe. Zwei großformatige Hardcover-Bände im Schuber bringen zusammen 6,13 Kilogramm auf die Waage. Mit dem Format von 24,3 × 30,4 Zentimetern und der großzügigen Bildanlage ist das Buch eindeutig als Coffee-Table-Book gedacht – allerdings als eines, das mehr sein will als bloße Wohnraumdekoration. TASCHEN gelingt hier das Kunststück, den Schauwert der Reproduktion mit einem ernsthaften inhaltlichen Zugriff zu verbinden. Die Bände laden zum Blättern ein, funktionieren aber ebenso als visuelles Nachschlagewerk. Jede Doppelseite kann zum Ausgangspunkt einer Entdeckung werden: einer künstlerischen Position, einer Epoche, eines Motivs oder einer überraschenden Verbindung zwischen Medien.
Ein Plädoyer für visuelle Bildung
Das Buch Lucas Museum of Narrative Art ist ein Plädoyer dafür, Bilder als eigenständige Sprache zu lesen. In einer Gegenwart, die täglich von visuellen Erzählungen überflutet wird, gewinnt dieser Ansatz besondere Aktualität. Das Schuberwerk zeigt, wie weit die Geschichte der Bilder reicht – und wie unmittelbar sie uns noch immer betrifft. Für 175 Euro ist die Edition eine bewusst luxuriöse Anschaffung. Wer jedoch ein Faible für Kunstbücher, Illustration, Filmkultur und außergewöhnliche Buchgestaltung hat, erhält ein faszinierendes Doppelporträt: von einer Sammlung und von der ungebrochenen Macht, Geschichten in Bildern zu erzählen.
Mehr Infos:
TASCHEN, Lucas Museum of Narrative Art, 832 Seiten, 175 Euro




