Jump to Navigation

Norman Fosters Buch "Networks": Widerhall und Ursprung

Das Architekturbuch "Norman Foster. Networks” aus dem TASCHEN Verlag blickt hinter die Fassaden. Es ist eine intellektuelle Selbstvermessung – ein sehr persönlicher Atlas der Einflüsse, Prägungen und Leidenschaften, die das Werk eines der bedeutendsten Architekten unserer Zeit durchziehen. „Alles inspiriert mich“, schreibt Foster. In acht Essays – Roots, Flight, Nature, Art, Making, Place, Cities und Alpine – entfaltet sich Architektur als kulturelle Praxis, die auf Dialog, Handwerk und Kontext gründet. 

Von Manchester in die Welt
Im Kapitel Roots blickt Foster auf seine Kindheit im industriellen Manchester zurück. Die bescheidenen Anfänge, die Nähe zur Technik, die frühe Faszination für Flugzeuge – all das erscheint hier als Fundament. Architektur wird zur Fortsetzung einer Neugier, die sich nie mit Oberflächen zufrieden gibt.
Diese frühe Leidenschaft für Luftfahrt prägt auch das folgende Kapitel “Flight”. Die Idee von Leichtigkeit, Effizienz und struktureller Klarheit zieht sich wie ein roter Faden durch Fosters Werk. Wer an die gläserne Kuppel des Reichstag in Berlin denkt oder an die schwebende Transparenz des Great Court im British Museum, erkennt diese Suche nach technischer Eleganz. Architektur wird hier zur Ingenieurskunst – jedoch nie ohne humanistische Dimension.

Natur, Kunst, Handwerk: Die Verwobenheit der Disziplinen
In Nature, Art und Making öffnet Foster sein Denken über die Architektur hinaus. Natur erscheint als Lehrmeisterin für Effizienz und Nachhaltigkeit. Kunst wiederum wird zur Inspirationsquelle für räumliche Dramaturgie. Und im Making – im Machen – liegt das Bekenntnis zum Handwerk, zum Detail, zur Präzision. Gerade in einer Zeit, in der Architektur häufig als ikonisches Spektakel wahrgenommen wird, wirkt dieser Fokus auf Prozesse beinahe still. Das spektakuläre Millau-Viadukt in Südfrankreich etwa erscheint in diesem Kontext als Resultat intensiver Auseinandersetzung mit Topografie, Wind und Material. Auch der kreisförmige Campus des Apple Park in Cupertino wird als Experiment über Arbeitskultur, Landschaft und Technologie gedeutet.

Ort und Stadt: Architektur als kollektive Erfahrung
Mit Place und Cities weitet sich der Blick vom einzelnen Gebäude auf das urbane Gefüge. Erinnerung, Identität und öffentliches Leben treten in den Vordergrund. Gebäude, so Foster, sind niemals isolierte Objekte; sie sind Teil eines Netzwerks aus Geschichte, Menschen und Bewegungen. Architektur formt Öffentlichkeit – und wird zugleich von ihr geformt.
Hier liegt eine der großen Stärken des Buches: Es verbindet das Ikonische mit dem Alltäglichen. Selbst das geplante Zayed National Museum in Abu Dhabi wird nicht als exotisches Prestigeprojekt präsentiert, sondern als kultureller Knotenpunkt, eingebettet in Klima, Tradition und Zukunftsvision.

Alpine: Das Haus der Zukunft als Rückzugsort
Das abschließende Kapitel Alpine führt in die Berglandschaft, wo Foster sein eigenes „Haus der Zukunft“ realisiert hat. In der Auseinandersetzung mit Höhe, Kälte und Licht wird Architektur existenziell. Die Alpen schärfen den Blick für Nachhaltigkeit und für die Frage, wie der Mensch in extremen Bedingungen lebt.

Ein visueller Denkraum 
Fast 1.000 Abbildungen – Fotografien, Skizzen, Filmstills, Kunstwerke – machen “Networks” zu einem dichten visuellen Kosmos. Doch anders als viele opulente Architekturbände erschöpft sich das Buch nicht im Bildrausch. Die Bilder fungieren als Referenzen, als Belege eines Denkens in Verbindungen. Unterstützt wird Foster vom Architekturpublizisten Philip Jodidio, der seit Jahrzehnten zentrale Stimmen der Baukunst begleitet. Doch die Tonlage bleibt unverkennbar Fosters eigene: reflektiert, neugierig, manchmal fast staunend.

Mehr Infos:https://www.taschen.com/en/books/architecture-design/43483/norman-foster-networks/

 

 

Themenwelten

Senioren, Greise, Silver Surfer

Senioren, Greise, Silver Surfer

Alte Menschen in der Literatur

Vom Eise befreit

Vom Eise befreit

Frühlingsliteratur

Über das Denken

Philosophie für Kinder

Von Geburt an Philosophen

Wer sind die anderen?

Afrika

Der so genannte dunkle Kontinent

Familiengeschichten

Vater, Mutter, Kind, Krieg

Familiengeschichten

Wirtschaftskrisenwerke

Wirtschaftskrisenwerke

Über Gier und Risiko