Totenfrau trifft Tradition: Bernhard Aichner beim Kirchenwirt
Der Kirchenwirt in Leogang war an diesem Abend mehr als ein traditionsreiches Haus mit jahrhundertealten Mauern. Er wurde zum Schauplatz für Kunst und Literatur. Zur Finissage der Kalligrafien von Bernhard Aichner und zur Lesung aus der Welt der Totenfrau kamen Gäste zusammen, begleitet vom BÜCHERmagazin als Kooperationspartner.
Im historischen kunSTall hingen Aichners Kalligrafien. Sie öffneten einen zweiten Zugang zu einem Autor, der seine Geschichten auch zeichnet, kratzt und verdichtet. Die Vernissage hatte etwas angenehm Unaufgeregtes – bis Aichner selbst den Raum betrat. Dann wurde aus Betrachtung Begegnung.
Echte Nähe zum Publikum
Bernhard Aichner spricht mit seinem Publikum, hört zu, lacht, erzählt. Er tut das mit spürbarer Lust am Augenblick. Diese Authentizität ist wohl ein Teil dessen, was seine Leser an ihm besonders schätzen. Bernhard Aichner macht die Welt seiner Figuren begehbar – auch dann, wenn man nicht sicher ist, ob man wirklich hinein möchte. Gerade bei der Totenfrau liegt darin die besondere Kraft: Schmerz und Spannung, Verletzlichkeit und Unnachgiebigkeit, das Private und das Abgründige liegen eng beieinander. Nichts daran bleibt bloß Kulisse.
Die Rückkehr der Totenfrau – und ein klangvolles Gewölbe
Nach der Finissage führte der Weg ins Samerstallgewölbe. Dort las Aichner aus seinem Bestseller „Totenfrau – die Rückkehr“. Ein Gewölbe kann vieles sein: ein schöner Raum, ein akustisches Risiko, ein Platz für große Gesten. An diesem Abend war es vor allem ein Resonanzkörper. Jede Pause saß. Jeder Satz bekam Zeit, bei den Zuhörenden anzukommen. Die Geschichte um die Totenfrau wurde auch für Netflix erfolgreich verfilmt. Im Samerstallgewölbe war sie wieder ganz in der Sprache, im Rhythmus der Sätze und im Kopf der Zuhörenden.
Bernhard Aichner wirkte beim Lesen, als sei er mittendrin in seiner Geschichte. Und das Publikum ging mit – konzentriert, gespannt, manchmal amüsiert, immer aufmerksam. Die Totenfrau ist längst eine Figur, die in ihrer Wucht und Widersprüchlichkeit weiterarbeitet, auch nachdem man das Buch geschlossen hat. Dass Aichner ihr in seiner Lesung eine Stimme gibt, die zugleich nahbar und gefährlich wirkt, erklärt vielleicht, warum seine Krimis so viele Menschen erreichen: Sie nehmen ihr Publikum ernst. Sie trauen ihm Gefühle zu, Widersprüche und dunkle Gedanken.
Kunst, Krimi und Kulinarik
Die Kalligrafien im kunSTall, die Lesung im Gewölbe, das anschließende Menü im Gourmetrestaurant bildeten einen sorgfältig komponierten Abend, bei dem Kunst, Literatur und Gastlichkeit aufeinander trafen. Zum Ausklang servierte der Kirchenwirt ein ebenso genüssliches wie stimmiges Menü. Die begleitenden Weine hatte Hans-Jörg Unterrainer mit viel Gespür ausgewählt und persönlich serviert.
Als der Abend langsam ausklang, blieb das Gefühl, einem Autor begegnet zu sein, der seinen Fans wirklich begegnet. Denn Literatur lebt lebt dort, wo Menschen zuhören, nachfragen und staunen.




