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Ljudmila Petruschewskaja

Das Mädchen aus dem Hotel Metropol

ERZÄHLUNGEN UND ROMANE

Informationen: , 24 €

Verlag: Schöffling & Co.

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Redaktion

Leser

Rezension

Was für ein Leben! Die 1938 geborene Ljudmila Petruschewskaja, eine der bekanntesten Autorinnen Russlands, erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend. Im Krieg wird sie mit Mutter, Tante und Großmutter aus Moskau ausgesiedelt. Der Hunger bringt sie fast um; das Mädchen lernt, die Gesetze der Straße zu verinnerlichen. Später holt die Mutter, die in Moskau studiert, sie wieder zu sich. Jahrelang schlafen sie im Zimmer des Großvaters unter dem Tisch… Es sind aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Lebensbedingungen, von denen die Autorin berichtet. Ihr Ton ist lakonisch, ihr Blick auf die Menschen ungetrübt von falschen Hoffnungen. Ihr Erzählen wirft helle Schlaglichter in eine dunkle Vergangenheit. Eines beleuchtet eine Szene großer Armut (die kranke Großmutter rezitiert für die Enkelin Gogols Novellen, da sie keine Bücher mehr besitzt), ein anderes eine Szene kindlicher Grausamkeit (das Mädchen wird von anderen Kindern in böser Absicht auf einen Dachboden geführt), doch wir bekommen auch Momente seltener Güte zu sehen (in größter Not bekommt das Kind einen Pullover geschenkt). Aus vielen solcher Szenen entsteht ein eindrucksvoller Zeitzeugenbericht von großer literarischer Prägnanz.

(kgr)

Kurzbeschreibung

Das Hotel Metropol in Moskau ist seit der Oktoberrevolution 1917 Wohnsitz für hohe Beamte der sowjetischen Regierung. Auch Ljudmila Petruschewskajas Familie bolschewistischer Intellektueller wohnt dort. Nach ihrer Geburt 1938 verbringt sie in dessen Art-déco-Pracht ihre ersten Jahre, bis nahe Verwandte den Stalinschen Säuberungen zum Opfer fallen, verhaftet und hingerichtet werden. Als Kind von sogenannten Volksfeinden lebt sie fortan am Rande der Gesellschaft. Im Zweiten Weltkrieg wird die Familie evakuiert. Ljudmila hungert, schläft in Güterwaggons oder unter dem Tisch einer Gemeinschaftswohnung und besucht lange keine Schule. Von der Mutter verlassen, drängt es sie zu einem Leben in Freiheit. Wie Édith Piaf singt sie auf Höfen Lieder, erzählt Geschichten und spielt bettelnd Oliver Twist. In Ferienlagern und Kinderheimen erobert sie sich als Außenseiterin mit ihrem Naturtalent Respekt. Wie das Kind sich mit unbändiger Fantasie gegen die Welt zur Wehr setzt, darin liegen die Wurzeln für die Unangepasstheit der großen Schriftstellerin, die später so viele Menschen mit ihren Geschichten bezaubert.


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