Apokalypsen

Gerhard Polt

Apokalypsen

ERZÄHLUNGEN UND ROMANE

Gelesen von Gerhard Polt

Informationen: Live-Lesung, 67 Minuten, 1 CDs, 16.9 €

Verlag: Kein & Aber

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Rezension

Gerhard Polt stammelt, brummelt, gnaddelt und kichert – kurzum: er bayert vor sich hin, als wäre seine Mutter dereinst an einem Stammtisch mit ihm niedergekommen und er dort mit einer Maß Weißbier getauft worden. Neun gestotterte Miniaturen, in denen Polt weitschweifig irrlichternd auf den gesellschaftlichen Punkt kommt – der bei ihm in der Regel ein klebriger Fleck ist. Wenn Polt anlässlich des tödlichen Unfalls über den Lebensweg seines Schulkollegen Berti sinniert, der es bei der Allianz-Versicherung in eine Führungsposition gebracht („Dem hat’s vor nichts gegraut – das sind die Leute, die bei der Allianz Furore machen!“) und den es mit 2,4 Promille im Blut von der Straße ins Grab getragen hat („Ja, Entschuldigung – 2,4 Promille sind nicht wenig, aber auch nicht viel für den Berti!“), dann freut man sich, ein totaler Versager zu sein.

Klar, Gerhard Polt muss man mögen. Aber wer mit seiner behäbig-bierselig-bodenständigen Art von Humor etwas anfangen kann, dem bietet der bitter-böse Bajuware Einblicke in die Gesellschaft, die man sonst nur mit schwerem Leberschaden an der Theke in der Eckkneipe gewinnt. Sarkastischer Höhepunkt der CD ist das Stück „Ein Apokalyptiker“, bei dem ein katholischer „Passionsparasit“ von der Skrupellosigkeit der jungen Generation schwärmt und bedauert: „Wir hatten ein Handicap – wir waren religiös.“

(jr)

Kurzbeschreibung

Wo er auftritt, ist Kultur, also Stimmung, und seine Stimme gibt er all jenen, die zur Mehrheit gehören, also schweigen. Ein Mann des Volkes, was man freilich auch von seinen neuen Figuren behaupten kann. Hier zu erwähnen sei der Spinatgeschädigte, welcher nie Kind war, weil er nämlich gar keine Zeit dafür hatte und das auch noch beweisen kann. Denn was heißt, eine Kindheit haben? Von früh bis spät Blumenkohl fressen, und erst den Griesbrei und den Lebertran, ganz zu schweigen vom Spinat. Auch der Mozartgeschädigte, ein Mann von echtem Schrot und Korn, Herkunft tadellos, aber was hat er davon? Genau. Darum geht’s. Künstlerische Gerechtigkeit. Und um vieles andere. Polt liefert die Tatsachen und solidarisiert sich in seinen monologischen Dramoletten mit denen, die schon von Anfang an was zu sagen hatten, aber bis jetzt noch nicht drangekommen sind.


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