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Sonne im Gepäck – das neue Buch von Tina Herz

Seit einem Jahr sind Leni und Luis da – Zwillinge, die nicht nur den Alltag und auch die inneren Gewichte einer Beziehung verschieben. In Tina Herz’ zweitem Roman steht Valerie im Zentrum einer Erfahrung, die viele Eltern kennen und die selten so konsequent zu Ende gedacht wird: Der größte Wunsch kann, sobald er Realität ist, zur größten Überforderung werden. Nicht, weil Kinder an sich „schwierig“ wären und auch da das Leben, das man sich vorher ausgemalt hat, unter der Wucht des Konkreten zerbricht: Schlafmangel, ständige Zuständigkeiten, das Gefühl, nie ganz fertig zu sein – und gleichzeitig der Anspruch, glücklich zu sein, weil man doch genau das immer wollte. Herz erzählt diesen Umbruch als Reibungsfläche zwischen Intimität und Organisation, zwischen Liebe und Logistik.

Ein Camper als Versuchsanordnung für Familie
Als Tom für ein Kulturprojekt – demjenigen Arbeitsumfeld entsprungen, das beide verbindet – mit einem Kreativteam durch Europa reisen soll, entscheidet Valerie spontan, den Trip als Familie mitzunehmen. Der Plan klingt nach moderner Gleichberechtigung: Arbeit und Kinderbetreuung teilen, gemeinsame Zeit gewinnen. Ein Camper wird zur mobilen Utopie: unterwegs sein, zusammenrücken, dem Alltag davonfahren. Doch Herz ist klug genug, diese Idee nicht als Abenteuerromantik zu inszenieren. Die Enge des Campers, die Unwägbarkeiten des Reisens, die permanente Improvisation – all das wirkt wie ein Vergrößerungsglas. Was zu Hause noch von Routinen kaschiert wird, tritt unterwegs deutlicher hervor. Der Süden rückt näher, das Urlaubsgefühl bleibt aus. Stattdessen wächst Frust, weil Versprechen und Wirklichkeit auseinanderdriften.

Das leise Gift der Ungleichverteilung
Valeries Blick schärft sich: Warum landet die Hauptlast der Kinderbetreuung überwiegend bei ihr? Und warum scheint Tom – zumindest in ihrer Wahrnehmung – vor allem mit Teamkollegin Ida verbunden, gedanklich wie praktisch? Herz schreibt diese Konstellation nicht als plakativen Eifersuchtsplot, sondern als emotionalen Kipppunkt, der aus vielen kleinen Momenten entsteht: dem Gefühl, selbstverständlich zu funktionieren, während andere sich in ihre Arbeit vertiefen dürfen; der Erfahrung, dass „Wir machen das gemeinsam“ im Alltag oft heißt: Eine Person plant, trägt, beruhigt, während die andere „hilft“.

Zwischen Windelwahn und Campingchaos: die Suche nach sich selbst
Valerie versucht, den Familienfrieden zu retten – und genau darin liegt die Ambivalenz. Wer Frieden herstellt, hält oft auch Strukturen aufrecht, die einen selbst erschöpfen. Zwischen Windeln, improvisierten Schlafplätzen und dem Dauerzustand „gleich passiert wieder was“ wächst in ihr ein anderer Wunsch: wieder bei sich anzukommen, nicht nur Mutter und/oder Partnerin zu sein.

Mehr Infos unter:
Tina Herz (Autorin): alle Bücher + Steckbrief bei Penguin

 

 

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