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Fotos: Marc-Oliver Schulz

Hardy Krüger

Der Reise-Verführer

Hardy Krüger ist Weltstar und Weltenbummler und auch mit 80 Jahren noch so reiselustig und neugierig wie eh und je. hörBücher traf den Filmschauspieler und Autor bei den Hörbuchaufnahmen seines neuen Romans und erfuhr dabei auch, wie er sich auf seine Reisen vorbereitet.

Drei Buchstaben machen den kleinen, aber feinen Unterschied: Hardy Krüger schreibt keine Reiseführer, sondern Reise-Verführer. „Immer wieder sagen mir Leser, dass eines meiner Bücher sie auf die Idee brachte, auf meinen Spuren in ein Land zu reisen, über das ich geschrieben habe“, sagt der 80-jährige Autor beim Gespräch im Hamburger Tonsynchron- Studio. Gerade nimmt er hier Erzählungen aus seinem neuem Buch „Die andere Seite der Sonne“ (Lübbe Audio) auf. Schauplätze sind die Südsee-Insel Hiva Oa, der Dschungel Brasiliens, Irland und Ost-Afrika. Mittagspause, Zeit für ein Gespräch. Seine Haare sind weiß geworden, doch sonst sieht er aus, wie Millionen Kino- und Fernseh- Zuschauer Hardy Krüger seit Jahrzehnten kennen: schlank, lässig, elegant-burschikos, Typ großer Junge, der nie älter wird.

  • „Ich gehe vor jeder Reise zunächst in eine Buchhandlung.“: Hardy Krüger im Gespräch mit hörBücher-Autor Jürgen Drews.

Mehr als 60 Filme hat er gedreht, wurde mit „Einer kam durch“, „Der Flug des Phönix“ und „Hatari“ zum ersten deutschen Weltstar der Nachkriegszeit. Kino-Legenden wie John Wayne, James Stewart, Orson Welles, Sean Connery, Yul Brynner, Lino Ventura, Anthony Quinn und Charles Aznavour waren seine Partner. Berühmte Diven wie Maria Schell, Catherine Deneuve und Claudia Cardinale lagen in seinen Armen. Der französische Film „Sonntage mit Sybill“, in dem er die Hauptrolle spielte, wurde 1963 mit dem „Oscar“ prämiert. Seine TV-Serien „Hardys Bordbuch“ und „Weltenbummler“ waren auf dem Bildschirm Quotenrenner und Reiseverführer: Als Pilot am Steuerknüppel seiner Cessna brachte Krüger den Deutschen die weite Welt ins Wohnzimmer und entzündete das Fernweh-Feuer in ihren Herzen. 18 Bücher hat er mittlerweile geschrieben, Romane, Kurzgeschichten, Begegnungen in den Wanderjahren als junger Schauspieler und Biografi sches über seine Heimatstadt Berlin und die Zeit auf seiner Farm Momella am Fuße des Kilimandscharo in Tansania. Seit Mitte der 70-er Jahre lebt er mit seiner dritten Frau Anita, einer amerikanischen Fotografi n, abwechselnd in Kalifornien, Hamburg und Berlin. Zuhause aber fühlt er sich auf allen fünf Kontinenten. Reisen und immer wieder Neues entdecken – das hält ihn jung. „Von klein auf gab es für mich nur zweierlei, was ich mir für meine erwachsenen Jahre vorgenommen hatte“, erzählt er. „Ich wollte immer schreiben und ich wollte immer fl iegen. Schauspieler wurde ich mit 17 nur, weil kein Verleger haben wollte, was ich geschrieben hatte.“ Zum Schreiben kam er übers Lesen. „Karl May habe ich als Junge verschlungen. Nicht nur die Winnetou- und Old Shatterhand- Geschichten, sondern auch seine großen Berichte aus fremden Ländern wie das wilde Kurdistan. Und natürlich Jules Verne, Mark Twain, Daniel Defoe und seinen Robinson Crusoe. Aber ich habe mich auch schon sehr früh für den Koran und den Talmud interessiert, für Buddhas Lehren und die versunkenen Reiche der Mayas und Inkas. Ich wollte wissen, wie die Menschen in ihren Kulturkreisen lebten, dachten und fühlten, was sie geprägt hatte. Und daraus wuchs mein Wunsch, ihre Welt persönlich kennen zu lernen. Diese ungeheure Neugier hat nie aufgehört.“

Wann immer er mit seiner Frau auf Reisen geht, führt der erste Weg in eine Buchhandlung, in ein Antiquariat oder ins Internet. „Wir lesen Reiseführer, meist von Dumont oder Lonely Planet, besorgen uns aber auch Bücher über große Figuren aus der Geschichte des Landes, in das wir reisen wollen: Könige und Gelehrte, Musiker und Dichter, berühmte Frauen und Philosophen. Wir kommen also schon mit einem gewissen Wissen und überschreiten damit die Grenze zwischen Tourist und Gast.“ Denn, so erklärt Hardy Krüger, wenn man sich vorher schlau gemacht habe, sehe man ein Land oder einen Ort mit ganz anderen Augen. Welche Ereignisse und Einflüsse haben die Landschaft und ihre Menschen geprägt? Wie sind Bauwerke oder Kunst entstanden, der Stil von Städten, Dörfern und Häusern? Welche religiösen und politischen Strömungen gibt es im Land? Woran haben die Menschen Freude und wovor haben sie vielleicht Angst? Was sind ihre Sorgen und Probleme? „Wenn man sich damit ein bisschen vor der Reise beschäftigt hat, wird man ganz anders aufgenommen, weil die Menschen dort spüren, dass man sich für ihr Leben interessiert und sich auf diese Begegnung vorbereitet hat“, berichtet Krüger von seinen Erfahrungen. Dieses Wissen sei wie ein Blumenstrauß, den man zur Begrüßung mitgebracht habe.

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