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Alexandra Klobouk

POLYMEER

BILDER UND WELTEN

Informationen: , 19.95 €

Verlag: Onkel & Onkel

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Redaktion

Leser

Rezension

Zur Erinnerung: Samuel Taylor Coleridges „Ballade vom alten Matrosen“ handelt von einem Seemann, der mutwillig einen Albatros erschießt und so die Besatzung seines Schiffs zum Tode verurteilt. Die Perspektive ist die eines Hochzeitsgasts, dem der gebrochene Alte seine Geschichte ungefragt erzählt. Nick Hayes hat Coleridges dunkle Ballade in die Gegenwart übersetzt.

An die Stelle des gebannt lauschenden Hochzeitsgasts tritt ein abgebrühter Yuppie, der desinteressiert mit seinem Blackberry spielt: Hayes übt Zeitkritik. Der alte Seemann, bei Hayes ein dekadenter Intellektueller, der die Fahrt auf dem Nordpazifik absolviert, um Walknochen zu ergattern, aus denen er ein Dominospiel herstellen lassen will, findet im Bauch des Albatros Nylonnetze und Plastikfetzen. Die unwirklich schöne Frau, die bei Coleridge mit dem Tod um die Seelen der Besatzung würfelt, ist bei Hayes eine magere, wütende Gaia, eine Personifikation unserer versehrten Natur. Sie macht dem Seemann begreiflich, dass die sterbenden Meerestiere seine Vorfahren sind.

Coleridges Ballade entfaltet ihre volle Wirkung im Vortrag. Nick Hayes arbeitet mit der Typographie und holzschnittartigen, in fünf düsteren Farben kolorierten Zeichnungen. Man kann Hayes vorwerfen, dass er die Ballade von Schuld, Reue, Erlösung und Wahnsinn, indem er sie auf einen konkreten Sachverhalt bezieht, als Grundlage für ein Öko-Traktat missbraucht. Oder ihn dafür loben, dass er die Zerstörung der Meere durch Plastikmüll zu einer bitteren Allegorie erhebt.

(ed)

Kurzbeschreibung

Wir schreiben das Jahr 2043, die Pole sind geschmolzen, die Meere steigen. Holland ist verschwunden. Nur ein einziger Holländer hat die Evakuierung verpasst. Nun treibt er einsam über die Weltmeere und geradewegs auf eine unglaubliche Entdeckung zu. Weit auf offener See schwimmt ein Geheimnis. Eine neue Zukunft für das versunkene Holland? Die Bildergeschichte für Jugendliche und Erwachsene spricht in drastischem Strich, kontrastreichem Schwarz-Weiß und knallgiftigen Plastiktönen eindrucksvoll für sich. Doch ist sie nur einerseits apokalyptische Fiktion. Andererseits beruht sie auf Tatsachen und Zahlen rund um das Thema Müll in den Weltmeeren, die der Bilderflut im Buch auch faktisch nachgestellt werden. »POLYMEER – eine apokalyptische Utopie« ist ein illustriertes Achtungszeichen. Alexandra Klobouk will aufwecken und aufmerksam machen.


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