Botschaften aus Babel
Es war einmal eine Ara-bischübersetzerin, die war – wie viele Übersetzer – nicht nur Übersetzerin, sondern zum Beispiel auch Musik-
erin. So wurde sie eines Tages eingeladen, bei einer Ausstellungseröffnung im fernen Berlin die arabische Rohrflöte Nay zu spielen und während sie so durch die Ausstellung „Schätze des Aga Khan Museums“ schlenderte, fiel ihr Blick auf eine Vitrine mit einem … Mehr…
Die Schönsten Liebesromane
Jeffrey Eugenides las ein Jahr lang die schönsten Liebes
geschichten der Weltliteratur.
In „Der Spatz meiner Herrin ist tot“ hat er seine persön
liche Auswahl der bemerkenswertesten Erzählungen über die Liebe zusammengestellt.Jede Erzählung, die ihm Schriftsteller, Studenten, Dinnergäste oder Barkeeper als ihre persönliche Lieblings-Liebesgeschichte ans Herz legten, hat der Bestsellerautor … Mehr…
Überschätzte Bücher
Andrea Maria Schenkel hätte mit „Finsterau“ endlich einen würdigen Nachfolger für ihr preisgekröntes „Tannöd“-
Debüt präsentieren können.
Einen grausam lakonischen, schmerzhaft schönen Kriminalroman – wenn sie ihn nur zu Ende geschrieben hätte. Man könnte einen Roman darüber schreiben: Vor sechs Jahren schoss Andrea Maria Schenkel aus dem Nichts in den Krimi-Olymp. „Tannöd“, das Debüt der … Mehr…
Wiederentdeckte Klassiker
Nathanael Wests „Miss
Lonelyhearts“ aus dem Jahr 1933 ist absolut sonderbar: Die männliche Kummerkastentante einer New Yorker Zeitung geht an den schicksalsträchtigen Leserbriefen zugrunde. Ein Stück experimentelle Prosa in knapper Sprache – bedrückend und originell.Nathanael West, geboren als Nathan Weinstein, ist ein schwierig einzuordnender Autor. Zeitgleich mit dem großen John Fante … Mehr…
Hingeschaut
Jährlich zeichnet die Stiftung Buchkunst „Die schönsten deutschen Bücher“ aus. Eine Jury beurteilt die Bücher nach Gestaltung (Schrift, Typografie, Grafik), Technik (Satz, Umbruch, Papier, Prepress) und buchbinderischer Verarbeitung. Umschlag- und Einbandgestaltung spielen dabei zwar nur eine untergeordnete Rolle, doch beweisen auffallend viele der 2012 ausgezeichneten Bücher, dass ein rundum … Mehr…
Wörterwelten
Was an Andreas Stichmanns Romandebüt „Das große
Leuchten“ fesselt, ist der Blick des Ich-Erzählers, der
angespannt und sehnsuchtsvoll ein kleines Stück neben der
Realität steht. Diese Arbeit hat auch in seinem Bücherregal Spuren hinterlassen. 1. Ernst Augustin: Raumlicht. Der Fall Evelyne B.Ein phantastisches Buch über die Abenteuer eines phantastischen Psychiaters! Ganz leicht … Mehr…
Botschaften aus Babel
Jedes Jahr im Juni machen sich die deutschsprachigen Literaturübersetzer auf den Weg ins charmante Wolfenbüttel zur Jahrestagung des VdÜ. Das „Wolfenbütteler Gespräch“ beginnt Freitagmittag im Zug und reißt bis zur Abreise am Sonntag nicht ab. Dabei ist es eigentlich zweckfrei, ist weder Konferenz noch Plenum noch Festival und doch von allem ein bisschen. Ein ganzes Wochenende gehört die … Mehr…
Botschaften aus Babel
Die Lyrikerin Uljana Wolf arbeitet und lebt zwischen den Sprachen. Schreiben, übersetzen sind für sie politisch. Was kann Lyrik?Grenzen öffnen, Membrane durchlässig machen, wie Übersetzungen auch. Neue Sichtweisen eröffnen, neue Möglichkeiten für das Handeln – nicht nur Sprachhandeln – auf den Weg geben. Sie kann einfach schön sein, kann verstören. Für mich ist die Entgrenzung wichtig und die … Mehr…
Hingeschaut
Die Cover klassischer Kriminalgeschichten wurden jahrelang ähnlich gestrickt: schwarzer Fond mit roter Schrift, wahlweise roter Fond mit schwarzem Motiv und auf Mittelachse gesetzter weißer Schrift. Motive waren Messer, Pistolen oder weit aufgerissene Augen, wahlweise Münder. Hin und wieder fand sich auch ein Strick unter den Mordinstrumenten. Die Verbrecher oder ihre Verfolger waren meist … Mehr…
Wiederentdeckte Klassiker
Der ungarische Lyriker Milán Füst hat mit seinem anekdotenreichen Roman eine Geschichte von grotesker Egozentrik über eine pathologische Eifersucht verfasst. Trotz so mancher Schwächen und Inkonsequenzen lohnt die Lektüre dieses eigenartigen Buches. Mit diesem Buch habe ich Schwierigkeiten gehabt. Und empfehle es dennoch, auch wenn ich ahne, dass nicht wenige Leser es irgendwann entnervt zur … Mehr…
Überschätzte Bücher
Wollten die gefeierten „Kluftinger“-Väter Volker Klüpfel und Michael Kobr nur mal was anderes machen? Dann wäre ihnen das mit „Rauhnacht“ gelungen. Die selbstverliebte, überzogene Agatha-Christie-Hommage fällt nämlich völlig aus der sonst so charmanten Allgäu-Krimireihe. Klufti ist Kult. Ganz offiziell. Nachzulesen hinten auf dem Hardcover. „Kult-Ermittler Kluftinger“ steht da. Natürlich … Mehr…
Wörterwelten
Wolfram Lotz hat ein Gespür für Dinge, die im Verschwinden begriffen oder nie entstanden sind. Für das Verschobene, etwa neblige Aussichtspunkte und falsch notierte Telefonnummern. Und dies sind die für ihn wichtigsten Bücher. 1. Günter Eich: Zu den Akten. GedichteMit den Gedichten von Günter Eich bin ich lange durch die Gegend gerannt. Bei Eich liegen alle Dinge ganz nah beieinander, Poesie … Mehr…
Die Schönsten Liebesromane
„Wandlungen einer Ehe“ erzählt in drei meisterhaft geschriebenen Monologen die Geschichte vom „Irrtum der Liebe“. Ilonka und Péter, situiertes Ehepaar sowie Judit, Péters Dienstmädchen, schildern ergreifend ihre Sicht auf diese fatale Ménage à trois. Er ist im ganzen Universum das einzige Menschenphantom, nach dessen Hand ich noch greifen kann, da nun das Haus über meinem Kopf und die ganze … Mehr…
Verhinderte Bestseller
Ein dicker Brocken? Schwerer Stoff? In „Menschen im Krieg“ begleitet Marge Piercy auf fast tausend Seiten jüdische Frauen und Männer durch den Zweiten Weltkrieg. Sie tut das aber so leichthändig, dass man den Wälzer auch an den schmerzlichsten Stellen nicht zur Seite legen mag. Was für ein Wagnis! Über den Zweiten Weltkrieg so zu schreiben; mit diesem langen epischen Atem, mit dem einst ein … Mehr…
Botschaften aus Babel
Übersetzen ist mehr als die Arbeit an der Sprache: Jedes Buch erschließt der Übersetzerin eine neue Welt. Bei John Freelys „Platon in Bagdad“ war es der ganze Kosmos.Eigentlich bin ich Übersetzerin. Doch letztens war ich Astronomin, Astrologin, Mathematikerin, Physikerin, Theologin, Alchemistin, Medizinerin, Historikerin, Dichterin und mehr. Ich dachte mich in (auch überlebte) … Mehr…
Wiederentdeckte Klassiker
Manche Schätze müssen nicht ausgegraben werden, sondern liegen direkt vor uns, ohne dass wir sie bemerken. Charles Dickens’ Roman „Große Erwartungen“ ist ein solcher. Erst in der Neuübersetzung von Melanie Walz zeigt sich, wie spielerisch, wie virtuos Dickens mit Sprache umging.Nicht immer muss es in dieser Kolumne um zwischenzeitlich vergessene Klassiker gehen. „Große Erwartungen“ gehört zum … Mehr…
Wörterwelten
Kai Meyers Helden laufen über Wasser, fliegen Teppichrennen unter Restalkohol oder zerfleischen Rivalen innerhalb ihres Mafia-Clans mit Klauen und Zähnen. Er selbst geht jeden Morgen mit dem Hund spazieren und schreibt an guten Tagen zehn Seiten.1. John Christopher: TripodsDie deutsche Ausgabe hieß in den Siebzigern noch „Die dreibeinigen Monster“. Als Monsterromane habe ich die Bücher im … Mehr…
Hingeschaut
Aufs Dorf ziehen, sich an einem Leben im Einklang mit der Natur erfreuen. Was ist dran am Traum vom Leben zwischen Hühnerstall und Gemüsebeet? Zwei Frauen zogen raus und schrieben ein Buch über ihre Erfahrungen. Ihre unterschiedlichen Ansätze werden schon an der Covergestaltung sichtbar.Aufregende EintönigkeitHilal Sezgin wollte es wissen: Nachdem sie nahezu ihr gesamtes bisheriges Leben in … Mehr…
Wiederentdeckte Klassiker
Mit viel Liebe zum Detail beschreibt Émile Zola „Das Paradies der Damen“ und damit die neue Pariser Warenhauskultur. Als einer der Ersten erkennt er diese als Kathedralen der Neuzeit und liefert mit seinem Roman eine wahre Fundgrube für historische Sozialstudien. Bis vor Kurzem war mir nicht bewusst gewesen, welche Bedeutung das Entstehen der großen Warenhäuser in den Fünfziger und Sechziger … Mehr…
Die Schönsten Liebesromane
Was bedeutet Liebe für einen Menschen, der zwei Weltkriege miterlebt? Ein Leben, von dem durch äußere Zwänge nur ein kleines Stück Seele zum Träumen übrig bleibt: Das ist der einzige Platz, an dem sich Léon und Louise „treffen“ können, da sie immer wieder voneinander getrennt werden.Léon ist siebzehn Jahre alt und lernt auf seiner Segeljolle das erste Mal das Gefühl von Freiheit kennen. Er … Mehr…