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Themenwelt

BÜCHER UND HÖRBÜCHER ZUM FRÜHLING

Vom Eise befreit

Erste, zaghafte Sonnenstrahlen. Spatzen, die Schutzgeld in Form von Brotkrümeln erpressen. Man sitzt wieder draußen, obwohl es eigentlich noch viel zu kalt ist, bloß des weiten, blauen Himmels wegen.

Von allen Jahreszeiten scheint die Literatur den Frühling am liebsten zu mögen. Das ist insofern verständlich, als dass die Natur in unseren Breitengraden eben Mitte März aufhört, lebensfeindlich zu sein. Im Zeitalter der Zentralheizungen und Daunenjacken verliert dieser Aspekt aber immer mehr an Gewicht.

Trotzdem wird der Frühling mit Jugend assoziiert, mit Sex der besseren Art und nicht zuletzt mit Liebe. In Gaëlle Guernelac-Levys „Eine Nacht im Frühling am Meer“ und Rebecca Martins „Frühling und so“ wird die Jahreszeit rauschhaft gefeiert. Donna Leon und Alex Capus dient sie immerhin als Hintergrund für Verbrechen. Über die unangenehmen Seiten des Frühlings liegt deutlich weniger Literatur vor.

Da ist die Tatsache, dass der tauende Schnee den Hundekot mehrerer Wochen freigibt. Alle vom Frost unterbrochenen Fäulnisprozesse werden mit einem Mal wieder aufgenommen. Tief durchatmen! Da ist das blau geäderte Winterfett, das enthusiastische Zeitgenossen viel zu früh den blassen Sonnenstrahlen preisgeben. Zusätzlich bietet der Frühling uns Nieselregen und halbherzig belaubte Bäume, die – finden Sie nicht auch? – so etwas unangenehm Teenagerhaftes an sich haben. Und in geschlossenen Räumen strecken sich einem aus tausend Blumenvasen raupenhaft behaarte Weidenkätzchen entgegen.

Aber kann man sich ihm entziehen, dem Frühling? Kann man nicht. Widerwillig jauchzend wandelt man durch erblühende Parks, entzückt betrachtet man das Schillern der Ölflecken in den Straßenpfützen. Der Frühling ist unerbittlich.