Die Eisläuferin
ERZÄHLUNGEN UND ROMANE
Gelesen von Maren Kroymann
Informationen: gekürzte Lesung, 219 Minuten, 3 CDs, 14.99 €
Verlag: GoyaLiT
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Rezension
Stellen Sie sich mal vor: Kanzlerin Merkel kommt aus dem Urlaub mit Gedächtnisverlust zurück. Die Erinnerungen an die letzten 20 Jahre sind gelöscht, jeden Morgen muss das 1x1 des Lebens neu gelernt werden: was sie in den letzten zwei Jahrzehnten getan hat, wie ihre Kabinettskollegen heißen und warum sie eigentlich ihre Zeit mit einem kleinen Franzosen in der Küche verbringen soll. Ein Staatsbesuch der besonderen Sorte. Die fiktive Kanzlerin aus der Feder von Katharina Münk, die Angela Merkel sehr ähnlich ist, gleicht ihren Gedächtnisverlust aus, indem sie ihren Gefühlen vertraut, auf die Menschen zugeht, ihnen zuhört und ihre Ideen aufnimmt. Und nebenher ihren Kindheitstraum als Eisläuferin verwirklicht.
Eine schöne, kurzweilige Idee. Wie ist eigentlich Politik, wenn sie frei von protokollarischen Konventionen und Plattitüden ist? Die Umsetzung ist Münk nicht immer sonderlich gut gelungen, zuweilen ist die Geschichte zu oberflächlich. Spaß macht das Hörbuch dennoch. Was vor allem an Maren Kroymann liegt. Ihr gelingt es, die Geschichte lebendig und amüsant zu erzählen. Ihre warme Stimme schafft viel Sympathie für eine Regierungschefin mit Amnesie. Akustisch ein großer politischer Erfolg.
Kurzbeschreibung
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Re: Die Eisläuferin
Und ewig grüßt die Kanzlerin
Das ging ins Auge: In einem Anfall von Spontaneität büxt die Kanzlerin ihren Bodyguards aus und bucht mit ihrem Mann eine Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn. Doch der Traum vom Baikalsee endet bereits in Omsk, wo der mächtigsten Frau der Welt das morsche Bahnhofsschild auf den Kopf fällt. Ein ziemlich großes Schild für einen so kurzen Ortsnamen. Als die Kanzlerin das Bewusstsein wiedererlangt, sind ihr die Erinnerungen der letzten 20 Jahre abhanden gekommen und - der Alptraum von Protokollchefin und Pressesprecher - nach 24 Stunden vergisst sie auch alle Ereignisse vom Vortag wieder. Jetzt ist guter Rat teuer: Ist die Kanzlerin überhaupt noch regierungsfähig? Ihre Mitarbeiter bemühen sich nach Kräften, den Schein nach außen zu wahren und bringen sie jeden Tag aus Neue vom Demokratischen Aufbruch auf die Regierungsbank einer wackeligen Koalition. Anfangs geht das noch erstaunlich gut: Leere Worthülsen ist die Öffentlichkeit von ihr gewohnt und ohne Inhalt kommt sie beim Volk sogar besser an als früher. Doch dann löst ihr Gedächtnistherapeut eine Katastrophe aus: Die Kanzlerin entwickelt Spontaneität, Emotionen und auch politisch schlägt sie unerwartete Wege ein. Doch Einflussnahme ist zwecklos. Morgen hat sie alles wieder vergessen.
Was ein Spaß! Ohne dass der Name Angela (oder eines anderen, noch lebenden Politikers) jemals fällt, entwirft Katharina Münk ein Panoptikum aus eitlen Selbstdarstellern, feigen Ja-Sagern und überforderten Politschranzen, die man jederzeit beim Namen nennen könnte. Dabei gilt die uneingeschränkte Sympathie des Lesers der Kanzlerin, die mit eisernem Willen, Phantasie und untrüglichem Instinkt ihre Amnesie überwindet. Es ist kein Wunder, dass sie anschließend nicht mehr derselbe Mensch ist. Man könnte sogar meinen, sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben Mensch. Und das alles ist so wunderbar leicht und locker geschrieben, dass bei aller satirischen Märchenhaftigkeit der Story die Personen lebendig und überzeugend wirken. Maren Kroymann liest routiniert und mit einem angenehmen Timbre. Man hört ihr gerne zu und nach drei Stunden würde man die echte Kanzlerin gerne mal nach Omsk schicken.
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